20 Jahre Wiedervereinigung – Freiheit!

31. Dezember 2010

 

Die TV-Berichterstattung verkündet es; doch 20 Jahre soll es schon her sein? Die Zeit vergeht im Fluge wenngleich sich viele Gründe zum Feiern seither nicht boten. Doch beeindruckend ward es damals schon. Endlich sollten auch wir frei sein; ohne stetige Überwachung und Bespitzelung, ohne Angst die Wahrheit auszusprechen und dafür in den finsteren Kerkern der Stasi zu verschwinden. Endlich frei sollten wir sein, endlich und offiziell ab dem 3. Oktober 1990. Diesem Tag vor 20 Jahren…

 

Doch schon am nächsten Tag gibt es einen Vorfall der mich zum Grübeln bringt. Als ich am Vormittag noch schnell in unseren örtlichen Supermarkt einkaufen will, drückt mir ein junger Mann einen Zettel in die Hand. Ich bemerke erst jetzt, dass auf dem Parkplatz vier junge Leute dabei sind den Einkaufenden etliche Flugblätter in die Hände zu drücken. Ich überfliege schnell den Text – es sind einige kritische Zeilen zum immer fortschreitenden Sozialabbau dieser Tage darauf geschrieben. Als ich mir gerade denke, dass Vieles was hier steht der Wahrheit entspricht, kommen zwei Polizeifahrzeuge mit Blaulicht und Sirene auf den Parkplatz gerast. In wenigen Augenblicken sind die Polizisten auch schon aus ihren Wagen gesprungen und halten die vier jungen Leute fest. Die Flugblätter sind ihnen vor Schreck auf den Boden gefallen, zwei Beamte sammeln si e jedoch eilig auf. Ich wundere mich etwas über diesen Einsatz, steige jedoch in mein Auto und fahre etwas verunsichert nach Hause.

 

Der Vorfall, der sich an diesem Vormittag auf dem Supermarktparkplatz ereignet hat will mir nicht recht aus dem Kopf. Ich muss an die Jungen denken, die mit erschrockenen Mienen das Eintreffen der Polizisten und deren losstürmen wahrnahmen. Und dann diese entschlossenen, fast schon etwas überheblich dreinschauenden jungen Gesichter bei ihrer Verhaftung. Ich überlege was wohl die Beamten mit ihnen gemacht haben. Warum hatten sie die Jungs so rabiat geschnappt? Mir fiel wieder ein, dass das Flugblatt noch in meiner Jackentasche war. Ich holte es heraus und las es mir aufmerksam mehrere Male durch. Beim besten Willen, ich konnte nichts Schlimmes daran finden…

 

Während die Herbstnacht schnell über die Straßen hereinbricht gehen mir fortwährend Bilder von rabiat eingreifenden Stasi-Beamten, von gewalttätigen Grenzwächtern an der ehemaligen innerdeutschen Grenze und von den finsteren Zellen des Stasi-Knasts in Bautzen durch den Kopf. Und ich denke wieder an die vier jungen Männer in ihren schwarzen Hemden.

 

Meinungsfreiheit in diesem Land wie so vieles andere auch eine einzige Farce. Darum am 2. Oktober 2010 auf nach Halberstadt. Gemeinsam demonstrieren wir unter dem Motto:

 

„ 3. Oktober 1990 – Vom Regen in die Traufe! Wir wollen Leben, Freiheit, Einheit und einen souveränen Staat“!

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