Dresdner Maiaufstand 1849 – Wie wir aus einer gescheiterten Revolution lernen können

05. Mai 2015

Brennende Barrikaden, der Geruch von Pulverdampf, Schreie, Tote und Verletzte – mitten in der Dresdner Altstadt – Wie konnte es in einer der schönsten Kulturstädte Europas so weit kommen?

Nach Ende der Befreiungskriege 1815 stellte sich für die Völker aber auch die Herrscher Europas die Frage, wie eine Nachkriegsordnung auszusehen hat. Das deutsche Volk hat im Zuge jener Bedrohung von Außen endlich ein Nationalgefühl entwickelt, das für lange Jahrhunderte für nicht möglich gehalten wurde. Dies drückte sich in dem Wunsch nach einem einheitlichen deutschen Nationalstaat aus. Die Könige, Fürsten und Herzöge Europas jedoch versuchten mit aller Macht zu verhindern eigene Macht abzugeben und die Entstehung eines zu mächtigen Staates in Europa zu ermöglichen. Diese beiden Zielsetzungen standen in fundamentalem Gegensatz zueinander. Jene Herrscher also, die sich in den Befreiungskriegen noch vor die Volksbewegungen gestellt hatten und dabei den Patriotismus und die deutsche Einheit beschworen, stellten sich nun gegen die deutsche Idee!

Das soziale und nationale Erwachen der Völker beginnt

Das Ergebnis des Wiener Kongresses 1815 war lediglich ein loser Staatenbund, in dem die Territorialherrscher nach eigenem Ermessen regieren konnten. So gab es in einigen Staaten  liberale Verfassungen, während in anderen noch fast absolutistisch geherrscht wurde.

Neben der nationalen Frage drängte sich – wenngleich nicht so deutlich wie in den Jahren danach – die soziale Frage immer mehr in den Mittelpunkt. An jeder innerdeutschen Grenze fielen Zölle an, die die wirtschaftliche Entwicklung behinderten und die Industrialisierung warf ihre Schatten voraus: erste Landfluchtbewegungen setzten ein, ganze Berufsstände waren unrentabel geworden und die Lohn- und Wohnsituation in den neuen Arbeitervierteln waren katastrophal.

So brodelte es gewaltig unter der Oberfläche und es entstanden überall in Deutschland nationale und liberale (freilich haben heutige „Liberale“ mit diesen nur noch wenig gemein) Bewegungen, wie die Deutsche Burschenschaft oder die Turnerbewegung, welche gegen diese Missstände ankämpften. Das Hambacher, sowie das Wartburgfest und der Frankfurter Wachensturm stellen in diesem Zusammenhang die bekanntesten Beispiele dar. Jedoch konnten staatliche Repression einerseits, aber auch der Versuch die bestehenden Verhältnisse durch Reformen zu verbessern, eine breite Fundamentalopposition lange verhindern. So brauchte es wieder einen Antrieb von Außen um Bewegung in die festgefahrene Situation zu bringen: In Frankreich kam es 1848 zur Februarrevolution, die sich bis März nach ganz Deutschland ausgebreitete. Im Zuge der Umwälzungen beugten sich die meisten Herrscher: es wurden liberale Verfassungen verabschiedet und die Frankfurter Nationalversammlung einigte sich auf die kleindeutsche Lösung, also einen deutschen Staat unter preußischer Führung. Man bot dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. die deutsche Kaiserkrone an. Dieser lehnte sie jedoch ab, da er nach seinem absolutistischen Selbstverständnis die Krone nicht vom Volke entgegennehmen konnte. Ein weiterer, heute kaum beachteter Grund ist jedoch die Ablehnung eines starken deutschen Territorialstaates in der Mitte Europas und die hohe Wahrscheinlichkeit einer Kriegserklärung von nahezu allen europäischen Großmächten.

Selbst die kleinen Errungenschaften von 1848 waren nun im Zuge der Konterrevolution in Gefahr und so kam es vor allem in den mittelgroßen deutschen Staaten zur so genannten Reichsverfassungskampagne, die in die Maiaufstände von 1849 mündete.

Der Aufstand bricht los

In Dresden war die Ausgangslage günstig: die sächsische Armee befand sich im Schleswig-Holsteinischem Krieg und nur eine kleine Garnison war in der Stadt stationiert. Nach erneuter Weigerung des sächsischen Königs Friedrich August II. die Reichsverfassung anzunehmen und dessen militärischem Hilfsgesuch nach Preußen, brach in Dresden der offene Aufstand aus. In schnellster Zeit wurden in der Innenstadt Barrikaden errichtet. Die Kommunalgarde trat an und man bereitete die Stadt auf einen Angriff von Außen vor. Die Garnison wurde aufgerufen, sich den Revolutionären anzuschließen, jedoch wurde dies von den Offizieren verhindert. Das Königspaar und die Minister flohen am 4. Mai auf die Festung Königsstein, eine provisorische Regierung wurde ausgerufen. Aus allen Schichten fanden nun Männer und Frauen zu den Aufständischen und führende Politiker, Anwälte aber auch Künstler, wie die berühmten Komponisten Carl Maria von Weber und Richard Wagner oder der Architekt Gottfried Semper stellten sich an die Spitze der Volkserhebung. Jedoch gab es unter der Führung verschiedene Zielsetzungen des Aufstandes und auch unterschiedliche Auffassungen über die erforderlichen Mittel zu deren Durchsetzung, sodass vom letztlich einzigen Machtmittel, der Dresdner Kommunalgarde, viele Freiwillige zu Hause blieben. Die provisorische Regierung sandte Hilfegesuche an die anderen Bataillone im Königreich und auch dort entbrannten jeweils die gleichen Diskussionen. Vor allem aus den frühindustriellen Zentren wie Crimmitschau, Glauchau und Chemnitz kamen die Freiwilligen jedoch in Scharen in die Hauptstadt. Doch auch das Militär bekam Unterstützung und so kam, was kommen musste. Unter möglichster Schonung der Bausubstanz wurde, statt des Barrikadenkampfes, ein Belagerungsring um die Altstadt und die Aufständischen gezogen und so deren Kapitulation erzwungen. Etwa 230 Deutsche fanden den Tod, davon zirka 200 Revolutionäre. Viele von ihnen (man geht von bis zu 1800 Mann aus) konnten jedoch noch rechtzeitig fliehen, bevor sich der Ring schloss und unterstützten später die Volkserhebungen in Baden und der Pfalz. Es folgten Hochverratsprozesse und die Führer des Aufstandes wurden steckbrieflich gesucht und mussten untertauchen. Gottfried Semper, der Architekt der weltberühmten Semperoper, betrat nie wieder sächsischen Boden und sah so auch nie sein Meisterwerk, dessen Bau sein Sohn leitete. Ähnlich erging es vielen anderen großen Mitwirkenden auch anderer Erhebungen in Deutschland in den Jahren 1848/49, wie dem Dichter der deutschen Nationalhymne Heinrich Hofmann von Fallersleben, der sein „Lied der Deutschen“ auf dem damals zu Großbritannien gehörenden Helgoland schreiben musste. Die Einigung Deutschlands blieb noch lange 22 Jahre Wunschtraum, ehe die Reichsgründung 1871 doch noch vollzogen werden konnte.

Parallelen zum Heute?

Die Ereignisse um den Dresdner Maiaufstand sind heute plötzlich wieder so aktuell, wie selten zuvor in der Dresdner Geschichte. Seit Herbst 2014 finden hier fast jeden Montag „PEGIDA“- Demonstrationen, mit teilweise deutlich über 10000 Teilnehmern statt. Freilich sind die „Pegidisten“ weit davon entfernt Barrikaden zu errichten und die Herrscher dieser BRD denken (noch?) nicht daran, die Armee aufmarschieren zu lassen. Jedoch ist es seit langer Zeit das erste Mal, dass in Deutschland wieder Tausende aus dem Dornröschenschlaf erwachen und den Biedermeier (so nannte man die Epoche vor der Revolution 1848, in der sich viele ins Privatleben zurückzogen) beenden. „PEGIDA“ selbst ist ein eigenständiges Thema, welches hier nur am Rande behandelt werden kann. Zweifellos treiben sich einige zwielichtige Gestalten in deren Führungsriege herum, die Kritik an herrschenden Bedingungen ist viel zu oft einseitig und wiederum möchte man das System selbst reformieren anstatt einen klaren Umbruch zu wagen. Jedoch wird hier, wie an vielen anderen Orten in immer mehr Gebieten deutlich, welches Potenzial doch noch in unserem Volk schlummert. Umso wichtiger ist es für unsere nationalistische Jugendbewegung, schnell interne Diskussionsprozesse voran und zu einem Ergebnis zu bringen und den Nachwuchs in charakterlicher Reife, Menschenführung, Rhetorik und vielem mehr zu schulen, damit wir in der Lage sind, bei solchen Protesten nicht mehr nur Zuschauer oder „Mitläufer“ zu sein, sondern die Führung zu übernehmen und nicht nur in Gedanken Revolutionäre zu sein. Denn wenn wir eines aus den Tagen von 1849 lernen können, dann jenes, dass ein gewalttätiger Umsturz nicht zur Revolution führen kann, sondern zunächst eine Umwertung der Werte in der Gesellschaft stattfinden muss. Dabei kann die JN bzw. die nationalistische Jugendbewegung schöpferisch auf der geistigen Ebene wirken. Den trostlosen und einseitigen „Debatten“ der Etablierten müssen wir eine geistige Schaffenskraft entgegensetzen. Die Revolution will vorbereitet sein. Zugegeben wird uns der „Marsch durch die Institutionen“, wie es die 68er einst mit Erfolg versuchten, nicht so ohne Weiteres gelingen. Doch ist die Einflussnahme auf die Gesellschaft dennoch nicht abwegig. Das Volk – besonders in Dresden – hat das Vertrauen in dieses System und seine angeblich „freie Presse“ verloren. Die trostlosen und einseitigen Debatten der Etablierten wirken auf den jungen dynamischen Menschen abschreckend und öde. Eine an dem Volk ausgerichtete und moderat auftretende Jugend, kann diese Dynamik in die richtige Richtung lenken.

Alles Große steht im Sturm!

 

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