Ein deutscher Nationalist unter Polen

19. März 2016

Es war meine erste Fahrt in das Land, welches eine beispiellose Geschichte mit den Deutschen verbindet. Obgleich ich keine 150 Kilometer von der heutigen deutsch-polnischen Grenze entfernt wohne, habe ich mich bis zuvor nicht getraut einmal hinüberzuschauen, um mir ein eigenes Bild von denen zu machen, die so manch deutscher Nationalist gerne als Räuber oder Landbesetzer bezeichnet. Ich schreibe meine Erlebnisse deshalb hier nieder, weil sie hoffentlich dabei helfen werden gewisse Ressentiments aus dem Weg zu räumen. Besonders in den Kreisen der sog. „Rechten“ erlebte ich nicht selten eine Wahrnehmung gegenüber dem polnischen Volk, welche ich nach meiner Reise in das heutige Polen als eine Phantasmagorie enttarnte. Nun, ich möchte auch jenen gar keinen Vorwurf dafür machen. Muss ich doch gestehen, selbst noch vor kurzem wenigstens zum Teil diesem Trugbild aufgesessen zu haben. Ich möchte betonen, dass ich keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit oder Verallgemeinerung aus meinen individuellen persönlichen Erlebnissen erhebe. Ich bin lediglich ein Deutscher, der mit Vorurteilen in eine Welt eingetaucht ist, die er so noch nicht kannte und heute sagen muss, dass sich keines dieser Vorurteile bestätigt hat.

Ich kam einer Einladung polnischer Nationalisten nach, zusammen mit meiner Frau und unseren beiden Kindern ein paar Tage in der Festungsstadt Glogau zu verbringen. Seit 1945 heißt sie Glogow und befindet sich in polnischer Hand. Die Stadtgeschichte weiß uns von ständig wechselnden Herrschern zu erzählen. Ursprünglich wohl einst unter schlesischer Regie, dann im Dreißigjährigen Krieg Regimewechsel zwischen Reformation und Gegenreformation, danach unter schwedischer Herrschaft. Dann 1741 die Einverleibung in Preußen sowie die Belagerung durch Franzosen Anfang des 19. Jahrhunderts. Diese Stadt wurde Zeugin von architektonischer Blüte, großen Taten von großen Männern und Frauen, kriegerischen Auseinandersetzungen und Vertreibung. Ihr Kern wurde seit ihrer Gründung zweimal abgebrannt bzw. zerstört, sodass heute etwa 90 Prozent ihrer Gebäude nicht älter als 70 Jahre sind. Das Treffen war rein persönlicher Natur. Keine offizielle politische Veranstaltung, obgleich die Abende eher einer Debattierrunde als einem gemütlichen Familienausflug glichen. Krzystof und Daniel habe ich zuvor schon mehrfach gesehen. Sie haben uns bereits zweimal in Deutschland besucht. Zum ersten Mal kam ich mit ihnen in Kontakt über meinen guten Kollegen Dr. Tomislav Sunic. Dieser suchte damals jemanden, der seinen polnischen Freunden die Stadt Dresden zeigen könnte. Ich war ohnehin gerade dabei meine Englischkenntnisse zu verbessern und sagte zu, wenn auch unter Vorbehalt. Es reizte mich schon zu erfahren, warum ausgerechnet Polen (!) die alte Lazarett- und Kulturstadt sehen wollten. Ich wollte wissen, was sie in diese Perle unserer deutschen architektonischen Seele zog und traf mich mit den Beiden. Daniel ist ein wirklich sprachbegabter, sportlicher junger Mann. Krzystof, dessen Kinder im gleichen Alter, wie die meinen sind, fiel mir von Anfang an als leidenschaftlicher Fußballanhänger auf. Beide würden, könnten sie unsere Sprache akzentfrei sprechen, locker als „Deutsche“ durchgehen. Ihr Antlitz ist unserem sehr ähnlich, wenn nicht sogar gleich. Ihr Umgangston ist manchmal etwas harsch. Ihr Verhalten dafür umso ehrlicher. Ich habe beide als sehr anständige Kerle kennengelernt, die keinen Hehl aus ihren Ansichten machen. Sie verschweigen nichts. In den Runden, die wir auch danach auf dem Europakongress 2015 miteinander verbrachten, ist die Themenvielfalt groß gewesen. Neben den vielen ernsten Sachen, die es dieser Tage zu analysieren gilt, durfte aber auch der Humor nicht fehlen. Als wir letztens bei Krzystof zu Hause saßen, sagte er zu mir: „Wir Polen versuchen das Leben mit Galgenhumor zu ertragen.“ Dies sollte sich die nachfolgenden Tage mehrfach bestätigen.

Auch die Frage nach den Ostgebieten ist mehr als einmal auf den Tisch geraten. Als wir uns das erste Mal darüber verständigten, dachte ich das Gespräch würde jetzt eskalieren. Ich versuchte diesem Gespräch eher aus dem Weg zu gehen. Ich hielt es angesichts der in ganz Europa sich abzeichnenden dramatischen Situation für angebracht, zunächst über andere Themen zu sprechen. Doch beide lassen sich da nicht lumpen, wie man so schön bei uns sagt. Ich glaubte also, dass die Situation aus dem Ruder laufen und der Kontakt damit abbrechen würde. Doch in Wirklichkeit passierte etwas, was ich selber zuvor nicht für möglich gehalten hätte. Wir unterhielten uns so als hätte keines unserer beiden Völker einen vollen Anspruch auf einen Teil von dem zum Gesprächsgegenstand gewordenen Gebiet. Es wurde nicht von „mein“ oder „dein“ Land gesprochen. Es wurde nicht so getan als wären die Deutschen nur ein kurzer Abschnitt ihrer Geschichte gewesen. Es wurde nicht vom „Überfall“ oder der „Besatzungszeit“ gesprochen. Es wurde von einem werdenden Land gesprochen, indem auch Deutsche, indem auch Schlesier leben. Es wurde von einem Land gesprochen, das eine beispiellose Geschichte und Identitätsfindung durchmachte. Kurz gesagt: Das historische Problem mit den Polen schien mir allmählich gar nicht mehr ein Problem zu sein. Nicht, dass ich vergessen hätte, was einst unsere vertriebenen Vorfahren durchmachen mussten. Meine Großeltern väterlicherseits sind ebenfalls Vertriebene. Wenn wir bei Lagerfeuerabenden das „Schlesierlied“ singen, komme ich nicht umhin ein Gefühl zu verspüren, welches auch in mir eine Sehnsucht nach einem Land weckt, welches ich so nie erlebt habe. Es ist vielmehr ein Gespür für etwas, das mir meine Ahnen hinterließen Es ist schon komisch, dass gerade ich mich so mit diesen Menschen identifizieren kann. Ich habe heute kein wenig Missgunst oder Argwohn gegenüber den in der einstigen Festung Glogau lebenden Polen. Die beiden polnischen Nationalisten, die vor wenigen Jahren lediglich die mehr oder weniger interessanten Besucher der alten Residenz von August dem Starken waren, sind im Laufe der Zeit für mich Freunde geworden. Freunde, die in ihrem Land einen ähnlichen Kampf auszuüben wagen, wie ich es in meinem tue. Sie spüren jenes Erwachen eines Europas der Völkerfamilie, wie ich. Sie erkennen, ähnlich wie wir, die Völker als natürlich gewachsene Gemeinschaften an und sehen sie wie Planeten (Dominique Venner), von denen jeder seine eigene Ordnung hat. In diese europäische Völkerfamilie gehören auch die Deutschen. Aber auch das polnische Volk. Von ihm können wir viel lernen. Ich möchte in diesem Papier keine Debatte über die völkerrechtliche Frage bezüglich der heute zu Polen gehörenden Ostgebiete führen. Es liegt mir fern diese Fragen als ein Nicht-Jurist mit der Jurisprudenz zu beantworten. Doch eine Frage möchte ich dem vielleicht noch den Polen gegenüber kritischen Leser stellen: Wenn die Vertreibung unserer Vorfahren Unrecht war, was ich auf keinen Fall bestreiten möchte, was macht es heute gerechter die heutigen Polen in Schlesien von ihrem mittlerweile zur Heimat gewordenen Zuhause zu vertreiben? Eine Antwort darauf bleibt häufig aus. Da nützt es auch nicht die ewige „Verzicht-ist-Verrat“-Mimik zu spielen.

Doch zurück zu meinen Erlebnissen in Glogau. Die Tage, die ich dort zusammen mit meiner Frau und unseren beiden Kindern erlebt habe, ermöglichten mir einen Einblick in eine andere Welt. Es erschien mir so als hätten viele Polen sozioökonomisch gesehen kein allzu einfaches Leben. Auf meine Nachfrage nach den sozialen Verhältnissen erhielt ich die Antwort, dass es hier eine Art Klassengesellschaft gäbe. Die Gesellschaft spalte sich in zwei Klassen, wobei die eine die andere unterdrücke. Die entscheidende Unterscheidung besteht im Verhältnis zum politischen System. Daniel erzählte mir, dass zwei Männer, die den gleichen Beruf ausüben, unterschiedlich verdienen. Entscheidender Faktor sei hierbei die Zugehörigkeit bzw. die vorhandenen oder auch nicht vorhandenen Seilschaften zum politischen System. So kann es passieren, dass ein gut ausgebildeter Ingenieur weniger Gehalt verdient als es ein mit staatlich verankerten Seilschaften gesegneter Industriemechaniker tut. Dieses soziale Ungleichgewicht war auch am Stadtbild zu erkennen und resultierte bereits mehrfach in bürgerkriegsähnlichen Straßenschlachten am berühmten „Polnischen Unabhängigkeitstag“. Man möchte meinen die Polen seien daher zur absoluten Perspektivlosigkeit verdammt. Doch erschien mir die zugegebenermaßen kurze Zeit in Glogau ein anderes Bild zu zeichnen. Die Gesellschaft unterscheidet sich massiv von der unsrigen. Während ich seit meiner Kindheit eine zunehmende soziale Kälte in Deutschland verspüren muss und der Jugend ein zum Schreien veranlassender Individualismus anerzogen wurde, scheint das doch für uns Deutsche so uninteressante Polen von dieser liberalextremistischen Gehirnamputation verschont geblieben zu sein.

Ich möchte dafür ein prägnantes selbsterlebtes Beispiel nennen. Auf unserer Hinfahrt hatten wir eine schwerwiegende Panne mit unserem Auto und blieben mitten auf einer Kreuzung etwa 10 Kilometer von Glogau entfernt stehen. Es zerfetzte uns die Antriebswelle und da es Sonntag war, wir leider (noch) nicht beim ADAC versichert waren und auch nicht so recht wussten, wo wir uns aufhielten, erschwerte sich die Situation für uns alle zunehmend. Die Tatsache zwei Kinder (2 Jahre und 5 Monate) auf der Rückbank zu haben, begünstigte unsere Position auch nicht gerade. Dennoch erfuhren wir nach nicht einmal fünf Minuten Unterstützung von einem zufälligerweise nach Glogau fahrenden polnischen Verkehrsteilnehmer. Der Mann, der fließend Englisch sprach, hielt hinter uns an, frug mich was passiert sei, wo wir hin wollten und ob er uns helfen könne. Dankend nahm ich seine Unterstützung an. Schnell das Abschiebeseil mit den beiden Autos verknüpft, ging es weiter in Richtung Reiseziel. Krzystof eilte mit seinem BMW – auf dessen Alter er übrigens richtig stolz ist – schnell zu uns und veranlasste weitere Abhilfe. Da es wie schon gesagt Sonntag war, hatte es keinen Sinn eine Werkstatt zu suchen. Die Suche sollte erst am nächsten Tag losgehen. Unser erster Tag schien wie ein Reinfall. Doch Daniel, Krzystof und seine Frau Paula verstanden es uns als gute Gastgeber den Tag so angenehm wie möglich zu gestalten. Ich erfuhr eine Menge Gastfreundschaft und war erstaunt, dass diese Leute, obgleich sie selber nicht viel haben, keine Kosten und Mühen scheuen ihren Gästen gute Freunde zu sein.

Ich traue mich gar nicht von unserem Hotel zu sprechen. Zuvor habe ich noch nie solchen Komfort in einer kommerziellen Unterkunft erleben dürfen. Jedes Ersuchen das Hotel selber zu bezahlen, wurde vehement abgeblockt. „Be my guest“ antwortete mir Krzystof auf meine vergeblichen Versuche ihn umzustimmen. Am nächsten Tag sollte die Suche nach der kaputtgegangenen Antriebswelle anfangen. Während meine Tochter mit der gleichaltrigen Jagoda spielte, die Frauen sich wahrscheinlich über, naja Frauenkram halt, austauschten, machten Krzystof und ich uns auf den Weg ein Ersatzteil sowie eine Werkstatt aufzusuchen. Obgleich im Moment des Knalls, den es beim Tritt auf das Gaspedal an der Kreuzung gegeben hat, meine Laune wie der Aktienkurs für Immobilien während der letzten Subprime-Krise fiel, bin ich heute sehr froh über die kaputte Antriebswelle. Denn dadurch durfte ich selber erfahren, dass die Zwistigkeiten zwischen Polen und Deutschen keine historisch determinierte Tatsache sind. Während der Suche nach dem Teil und einer geeigneten Werkstatt kam ich mit vielen verschiedenen Polen ins Gespräch. Teilweise auf Englisch und teilweise durch meinen persönlichen Dolmetscher Krzystof auf Polnisch. Mir kam stets Hilfsbereitschaft und Ehrlichkeit entgegen. Ich hatte das Gefühl selber im Land der Unehrlichkeit zu leben. Während meines Aufenthaltes spürte ich immer eine grundehrliche Haltung bei allen mir dort begegneten Polen. Es waren keine heuchlerischen oder facettenreichen Ausflüchte, weder im Geschäftlichen bezüglich meines mechanischen Problems mit dem Auto noch im Privaten in den Runden mit meinen polnischen Freunden, zu vernehmen. Mit diesen Menschen kann man wirklich über alles sprechen. Sie zögern nicht einem die Wahrheit ins Gesicht zu sagen, auch dann nicht, wenn dies als ein Angriff gegen die Person gewertet werden könnte. Doch muss ich sagen, dass ich mich zu keinem Zeitpunkt während meines Aufenthaltes auch nur einmal angegriffen fühlte. Im Gegenteil. Die Polen wurden mir von Stunde zu Stunde, von Tag zu Tag, von Gespräch zu Gespräch immer sympathischer. So entschuldigte sich beispielsweise der erste Werkstattbesitzer (!) bei mir persönlich auf Deutsch (!) dafür, dass in seiner Werkstatt alle Plätze besetzt seien und ich daher noch einen Tag warten müsste. Dies hätte er nicht tun müssen, denn die Gespräche führte stets Krzystof, dem ich voll und ganz vertraute. Ich glaube, dass der Besitzer, der zufälligerweise zugleich auch der Autor des Buches „Festung Glogau“ ist, mir damit zu verstehen geben wollte, dass es weder an mir noch an meiner Herkunft als Deutscher liegt, dass ich nicht gleich versorgt werden kann. Aus irgendeinem Grunde jedenfalls wollte er mich wissen lassen, dass es ihm wirklich Leid tue. Der zweite Tageshöhepunkt in Sachen deutsch-polnischer Beziehung war der „Freundschaftspreis“, den ich in der nun endlich gefundenen mit freien Kapazitäten versehenen Werkstatt bekam. Auf meine Frage ob der Preis in Polen regulär wäre, antwortete der Verantwortliche: „Next time when you will be here bring us German beer and we are square.“ Ich konnte es kaum fassen.

Ich begann über all das nachzudenken. Ich versuchte zu begreifen, warum diese Menschen so freundlich zu mir sind, obwohl wir uns nicht kennen und ich von einem anderen sogar historisch gesehen „problematischen“ Volk stamme. Ich fing vor allem an über uns Deutsche, über unsere Gesellschaft nachzudenken. Ist es nicht genau jene Solidarität untereinander, die wir immer predigen, doch zugleich in der deutschen Gesellschaft vermissen? Ist der polnische Chauvinismus gegen die Deutschen wirklich vorhanden oder handelt sich bei den vielen Ressentiments gegeneinander um das übliche römische Spielchen „divide et impera“, das die Völker Europas bereits seit Jahrhunderten davon abhält ein starkes Bündnis, eine felsenfeste Festung zu bilden? Was erzählen wir uns nicht alles gegenseitig für Geschichten über die verstohlenen Polen, die zumeist gar keine echten Polen sind. Welch ein trauriges Bild haben wir von unseren Nachbarn, die wir ständig auf ihre „schlechte“ Arbeitsmoral reduzieren wollen. Doch in Wirklichkeit sind diese Leute zumeist wirklich sehr fleißig und gebildet. Sie wissen mehr über ihre Geschichte als wir über die unsrige. Während man hierzulande die Scheu vor der eigenen Vergangenheit jeden Tag spüren kann, selbst Patrioten keine Gelegenheit ungenutzt lassen sich von einem Teil unserer Geschichte zu distanzieren, leben die Polen in ihrem Land ihren Nationalstolz aus. So waren ganze Straßenzüge am 1. März, am „Nationalen Gedenktag der Verstoßenen Soldaten“, mit Nationalflaggen geschmückt. Dieser Tag ist den Soldaten des antikommunistischen polnischen Widerstandes von 1944 bis 1963 gewidmet. Mir kamen Schulmädchen mit weiß-roten Armbinden entgegen. In den vielen Gesprächen war stets Unverständnis für die Deutschen und die „Flüchtlings-“politik zu vernehmen. Bezirke wie Kreuzberg oder Neukölln wären in Polen undenkbar. Mögen viele von uns sich bereits von der Kirche – und das sicherlich auch zurecht – abgewandt haben, so vertreten die meisten derjenigen, die ich dort kennenlernen durfte eine strenge römisch-katholische Glaubenslehre, die mit der Feigheitsreligion wie hierzulande nichts zu tun hat. Im Jahre 2015 verlautbarte ein Priester (!), das aus seiner Sicht der Islam eine Gefahr für ganz Europa ist. Er sprach von Gott als Weggefährten im Kampf gegen die Dekadenz und Überfremdung. All das sagte er auf dem „Polnischen Unabhängigkeitstag“ am 11. November und bekam tosenden Beifall von Hundertausenden. Die Polen, insbesondere meine beiden Freunde Daniel und Krzystof, vertreten noch einen Glauben, der sie innerlich bestärkt und ihrer Identität Ausdruck verleiht. Dieser Glaube ist fest mit der Liebe zum eigenen Volk und Vaterland verwurzelt. Dies ist nicht ein Glaube derjenigen, die auch noch die andere Wange hinhalten wollen, es ist auch nicht die Wüstenreligion von Herrschaften, die ihre eigenen Söhne aus Furcht vor Gott verbrennen würden. Es ist ein Glaube, der dem Volk guttut. Dieser Glaube erscheint mir, als Nichtchrist wohlgemerkt, besser zu sein als der schon fast nihilistische Atheismus, der sich in einem gefühlslosen Rationalismus badet. Nur in einem solchen Meinungsklima kann die Forderung nach einer identitär-homogenen Gesellschaft als naiv bezeichnet werden. Nur in einer solchen Gesellschaft voller sich in ihrer Intellektualität und ihren rationalen Argumenten feiernden Subjekte kann der Glaube an ein ehernes Gesetz, kann die faustische Suche nach dem, was die Welt im Innersten Zusammenhält als irrational oder gar lächerlich verklärt werden.

Ich habe angefangen nicht nur die Polen für ihre Offenheit, Gastfreundschaft und Ehrlichkeit als Bündnispartner, nein sogar als Freunde zu sehen. Ich habe auch angefangen über unsere Gesellschaft, die zwar glaubt alles zu haben, aber in Wirklichkeit so armselig ist, nachzudenken. Ich kann heute sagen und dafür dürft ihr mich gerne kritisieren, dass ich die Polen um ihren stolz, ihre Vaterlandsliebe und Widerspenstigkeit beneide. Es liegt mir fern über die Regierungsparteien anderer Länder zu urteilen. Ich wage es nicht als Ausländer über das politische System Für- oder Gegensprache zu halten. Ich will weder die polnische Weltanschauung annehmen, noch möchte ich sie durch unsere deutsche Weltanschauung beeinflussen. Doch genügt manchmal ein Blick über den Tellerrand oder wie in meinem Fall über die Staatsgrenze, um sich nicht nur ein Bild vom anderen zu machen, sondern auch von sich selbst. Fakt ist, dass meine Freunde, obgleich sie der neuen Regierungspartei PiS auch kritisch gegenüberstehen, dennoch von einem „Change“ sprechen. Polen und sein politisches System verändern sich. Meine Freunde sehen die Zukunft heute mit mehr Hoffnung denn je. Als Freund und Europäer wünsche ich ihnen und ihrem Volk, dass diese Hoffnung nicht unbegründet ist.

Ich freue mich auf ein baldiges Wiedersehen und auf den gemeinsamen Kampf. Ab sofort kann ich mir diesen europäischen Kulturkampf nicht mehr ohne die Polen vorstellen.

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