Rezension: „Die Plünderung der Welt – Wie die Finanz-Eliten unsere Enteignung planen“

21. Februar 2015

Wenn es ein Buch gibt, das im Jahre 2014 in der deutschen ökonomischen Öffentlichkeit für Aufsehen gesorgt hat, dann ist es der Bestseller des Herausgebers der Deutschen Wirtschaftsnachrichten, Michael Meier gewesen. In seinem Werk „Die Plünderung der Welt“ rechnet der ehemalige Chefredakteur des Stern mit den Finanzeliten sowie den Kapitalmärkten hörigen Speichelleckern des bundesrepublikanischen Parteienkartells ab. Auf 240 Seiten schildert er in 17 Kapiteln die allmähliche jedoch sichere Enteignung der europäischen Sparer. Der Leser wird mit der eiskalten Wahrheit konfrontiert, dass er nur ein kleiner Bauer auf einem Schachbrett darstellt, den die Zocker an der Wall Street und in Frankfurt am Main willfährig für einen Wirtschaftskrieg opfern. Einen Wirtschaftskrieg gegen die Völker, Sparer und Steuerzahler. Einen Wirtschaftskrieg gegen die 90 %, die in den Jahren seit der Weltwirtschaftskrise (2007/2008) immer ärmer geworden sind.

Die fetten Jahre sind vorbei

Bereits im ersten Kapitel zieht Maier eine ernüchternde Bilanz, wenn er sich den technologischen Fortschritt und den Wohlstand der letzten Jahre vor Augen führt: „Computer, Smartphones, Gentechnik, Biotechnologie, weltweite Kommunikation über das Internet, billige Flüge. Diese Epoche des Fortschritts und der Annehmlichkeiten ist für die meisten Menschen in Mitteleuropa und vor allem in Deutschland mit einem bisher unbekannten Maß an Wohlstand, Sicherheit, Konsum und Freizeit verbunden gewesen. Doch die Ära geht zu Ende. Der Fortschritt kann nicht finanziert werden. Wir sind pleite.“

Jeder zweiter Mercedes-Stern, den wir auf deutschen Straßen sehen, gehöre laut Maier der Daimler Bank. In nahezu allen Staaten ist der Wohlstand demnach alleinig auf Pump finanziert und die Zentralbanken überschwemmen die Märkte mit überflüssigem Falschgeld und Niedrigzinsen. Die Welt sei gezeichnet von dem Vierklang: Schuldenkrise, Eurokrise, Wirtschaftskrise und Währungskrieg. Dabei tritt die vom Wirtschaftsjournalisten unverblümte Wahrheit zu Tage, dass wir Zeugen des „größten Raubzuges der Geschichte“ werden, die es bereits die beiden Autoren Marc Friedrich und Matthias Weik in ihrem gleichnamigen Bestseller beschrieben haben. Die ersten Seiten sind für jeden unmissverständlich. Maier bereitet den Leser auf eine Zeit der aufeinanderfolgenden Crashs vor. „Diese Crashs“, so der studierte Jurist, „mögen weniger dramatisch sein als die Lehman-Pleite oder das Platzen der US-Immobilienblase. Doch sie werden in schneller Folge kommen. Die Opfer dieser Crashs werden die Bürger sein: Die Sparer, weil ihr Erspartes geplündert wird. Die sozial Bedürftigen, weil der Wohlfahrtsstaat nicht aufrechterhalten werden kann. Die kommende Generation, weil die Unternehmen ihr Kapital nicht mehr in Innovationen stecken werden, sondern in den Schuldendienst. Die Arbeiter, weil es irgendwo auf dem Globus immer Leute geben wird, die aus der Not dieselbe Arbeit für noch weniger Lohn verrichten werden.“

Die Bürgerfeinde: Staaten, Zentralbanken und Banken

Für Maier besteht kein Zweifel mehr. Der Begriff der „sozialen Marktwirtschaft“ soll nur noch als Etikette dienen, die den Bürgern suggeriere, dass der Staat sich um sie sorgt. Hyperglobalisierung, die zum Abbau von Mitbestimmungsrechten von Arbeitern führe, würde von dem staatenlosen Geld finanziert. Eine weltweite Mobilität, die mit dem suggestiven Begriff der  „Flexibilität“ beschönigt wird, wäre in einem solchen System nahezu grenzenlos. Mit recherchierten knallharten Fakten skizziert Maier, den Status Quo unter der liberalkapitalistischen Weltfinanzpolitik und zeigt seinen „Kollegen“ der Mainstream-Medien auf, wie echte journalistische Arbeit aussehen kann. In den ersten drei Kapiteln wird bereits klar, welche Verteilungsungerechtigkeiten bis heute die liberale Wirtschaftswelt hervorgebracht hat. Einer Oxfam-Studie vom Januar 2014 zufolge, besitzt 1 % der Menschen über 110 Billionen Dollar. „Das ist 65-mal so viel wie jenes Vermögen, über das die ärmste Hälfte der Weltbevölkerung verfügt.“ Oder anders ausgedrückt besitzen 50 % der Weltbevölkerung so viel wie die 85 reichsten Erdenbürger. Der Niedriglohnsektor ist nach Maier einer der Wegbereiter für diesen desolaten Zustand, der auch Deutschland nicht verschont hat. So seien die Reallöhne seit 1991 drastisch gesunken, da die Inflationspolitik die Einkommen geschmälert habe. Die Verschuldung durch die Niedrig- und Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank ließ die europäischen Gesellschaften in einen gewaltigen Sog der Verschuldung geraten.

Wer regiert die Welt? Ein Physiker ermittelt

Dass auch Naturwissenschaften und Mathematik gut in einen Bestseller über die Verfehlungen der Finanzpolitiker hineinpassen, beweist uns Michael Maier in seinem 4. Kapitel. Hier umschreibt er die Ausführungen des jungen Physikers James B. Glattfelder, der in seinem Vortrag zum Thema „Wer kontrolliert die Welt?“ seine Schlussfolgerungen aus einer mathematischen Korrelationsrechnung in Zürich preisgab. Die sich aus  Formeln ableitenden erschreckenden Tatsachen, übersetzt der Autor in eine allgemein verständliche Sprache und gibt dem Leser die Antwort auf die Frage, die zugleich den Vortragstitel ausmacht: „737 Top-Player haben die Macht, 80 Prozent des Gesamtwerts von 43.000 internationalen Konzernen zu kontrollieren […] Lediglich 147 Player (0,024 Prozent) im Herzen der Macht kontrollieren 40 Prozent des Werts von 43.000 internationalen Konzernen auf der Welt.“ Demnach sei die Umverteilungsproblematik nach den Vorstellungen, die uns Marx und Engels in ihren Büchern immer wieder vor Augen führen wollten, längs Peanuts gegen die Einkommens- und, viel wichtiger, die Machtdifferenz, welche sich uns heute auftut. Maier versteht es, Naturwissenschaften, Kapitalismuskritik und abendländische Weltliteratur miteinander zu verknüpfen. So wird der Leser an das Meisterstück des Genius abendländischer Hochkultur, Johann Wolfgang von Goethe erinnert. Der frühere Wirtschaftsleiter des Afro-Asiatischen Instituts in Graz interpretiert „Faust 2“ als eine der ersten Kapitalismuskritiken: „Der Ursprung der Zerstörung, die Faust anrichtet, ist der Schulden-Wahnsinn des Staats (der Kaiser). Der Staat (Kaiser) überträgt Faust (Regierungschef) und seinem Zentralbanker (Mephisto) die zwei wichtigsten Monopole: das Geldmonopol und das Gewaltmonopol. Werden diese beiden global eingesetzt, scheitert die Menschheit. Das ist der Kern der Lehre, die der Finanzfachmann Goethe überliefert hat.“

Mehrere Ausflüge in die Geschichte ermöglichen es dem Leser, zu erkennen, dass sich diese Entwicklung der Finanzmärkte wie ein roter Faden durch die Welthistorie zieht. Ob die Französische Revolution, wobei der Banker John Law als „Angehöriger eines für seine Sparsamkeit bekannten Volkes“ die Franzosen mit seinen dubiosen Aktiengeschäften hinters Licht führte. Ob die Gründung der BIZ, die zum „Kontrollzentrum der globalen Geldschöpfung geworden“ ist oder das angeblich vom freiheitsliebenden Gorbatschow hervorgerufene Ende der DDR. Die Geschichte ist eine Aufeinanderfolge von Wirtschaftskriegen, die hinter dem Sehvermögen der Bürger gegen sie geführt werden.

„Greenspan legt die Lunte“ 

Einst feierte man ihn als den Währungshüter aller Zeiten. Alan Greenspan, ehemaliger Zentralbanker der Federal Reserve an der Wall Street, wird heute in Amerika gerne auch als „serial bubble blower“ (zu Deutsch „Serienblasenerzeuger“) bezeichnet. Auch Maier sieht diesen jüdischen Ex-Zentralbankchef als einen der Wegbereiter dieser desolaten Wirtschaftsentwicklung. Im Zuge der New Economic überschwemmte Greenspan die Märkte mit überflüssigem Geld und sorgte für die Entstehung zigtausender Dotcom-Unternehmen. Damit wurden die Märkte geflutet und so zerplatzen wenige Jahre später die vielen amerikanischen Träume, weil sie nur auf Pump gebaut waren. Maier demonstriert die Sinnlosigkeit dieses Unterfangens.

Hierbei sei eingeworfen, dass es Walter Eucken war, der in seinem Werk „Grundsätze der Wirtschaftspolitik“ aufzeigte, das eine Falschgeldpolitik zwar kurzfristig zur Vollbeschäftigung nicht jedoch zwangsläufig zum Wohlstand führen muss. Den Ausführungen des Herausgebers der Deutschen Wirtschaftsnachrichten nach, scheinen Greenspan diese alten jedoch weitsichtigen volkswirtschaftlichen Ansätze nicht bekannt gewesen zu sein. Oder etwa doch? Hat er vielleicht absichtlich so gehandelt? Im Buch „Die Plünderung der Welt“ erfährt man mehr dazu.

Draghi, Schäuble und Konsorten enteignen und betrügen uns.

Natürlich ist die amerikanische Dollar-Politik nicht von der europäischen Währungspolitik zu trennen. Mario Draghi, heute selbst Zentralbanker der EZB, war einst Topmanager der an dieser Misere nicht unbeteiligten Bank Goldman Sachs. Maier warnt vor diesen Gestalten, die zum einen über Jahre eine deflationäre Schuldenpolitik geführt und nun mit deflationären Verhältnissen zu kämpfen haben. So mahnt der Autor: „Die aktuelle Eurokrise trägt Züge der Deflation.“

Draghi, Schäuble und Konsorten haben es auf unser Geld abgesehen. „Es braut sich etwas zusammen.“ Die Finanzpolitiker planen die Enteignung der Sparer, die Koalition sieht dabei genüsslich zu und übt sich in BRD-demokratischer Ignoranz. Was den Wähler nun erwartet, beschreibt Maier wie folgt: „Nach der Bundestagswahl im Herbst 2013 verfügt die Regierung aus CDU, CSU und SPD über eine derart massive Mehrheit, dass sie wichtige Entschlüsse im Parlament durchwinken kann, ohne dass es eine ernsthafte Debatte gibt. Entsprechend abweichende Meinungen, sei es durch Abgeordnete aus den eigenen Reihen oder durch die Oppositionsparteien, werden nicht mehr geäußert.“ An anderer Stelle schreibt er: „Die völlig unreflektierte Zustimmung der Bundestagsabgeordneten zum ESM zeigt, dass die Entwicklung auch die nationalen Parlamente erfasst. Wenn aber die per Grundgesetz eigentlich ‚freien‘ Abgeordneten nur noch so abstimmen dürfen wie von den Funktionen angeordnet, dann muss sich der Steuerzahler fragen: Wozu braucht man die stattliche Anzahl von 631 Bundestagsabgeordneten? Eigentlich würde dann einer pro Partei genügen.“

Dazu haben sie sich eine große Waffenkammer, ein Arsenal an Finanzkanonen wie zuletzt die von Draghi benannte „Dicke Bertha“ angelegt, die eine Blase nach der anderen vor dem Zerplatzen retten soll. Dazu benötigen sie immer größere Blasen. Letztlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis diese Blasen zerplatzen.

Nationalstaatlichkeit und Ordnungsgedanke – Eine Alternative?

Ähnlich vielen Ökonomen des 21. Jahrhunderts kann sich Michael Maier ein Gegenmodell zum hyperglobalisierten Weltstaat, das eigentlich nicht neu ist, vorstellen. Die faustische Finanzideologie hat eine Neue Weltordnung zur logischen Folge. Um diesem etwas entgegenzusetzen, lässt der Autor hier durch Dani Rodnik durchblicken, dass wenn „wir die richtigen Verkehrsregeln anwenden“ wir „auch dann recht gut fahren, wenn die Nationalstaaten am Steuer sitzen.“ Erst so sei eine „lebenswerte Welt“ wieder herstellbar. Der Staat brauche endlich wieder „Personal mit überdurchschnittlicher Qualität – in fachlicher und moralischer Hinsicht.“ So fordert er, dass die Staaten wieder ihre Handlungsfähigkeit erlangen und in zentralen Fragen regulierend eingreifen können. Hier soll der Staat die Möglichkeit erhalten die Spielregeln vorzugeben. Jedoch alles auf einer Basis der Wettbewerbsordnung, wie sie bereits von Eucken in seinen „Grundsätzen der Wirtschaftspolitik“ beschrieben wurde. Der Staat soll zwar schlank sein, doch muss er genügend handlungsfähig sein, um die gesetzlichen Regeln der Wirtschaftsordnung zu bestimmen. Diese Züge ordoliberaler Denkweisen spart sich der Autor bis zum Schluss seiner Lektüre für den Leser auf. Maier sieht besonders im „free banking“ einen Lösungsansatz. Die 100%ige Haftung für Eigentümer mit ihrem Vermögen ist dabei absolut unabdingbare Voraussetzung für eine wirkliche „globale Ordnung“. „Nicht die Zugehörigkeit zu einem Netzwerk, sondern Leistung, Kreativität und Innovation müssen belohnt werden“, lässt uns Michael Maier wissen. Die sog. unsichtbare Hand, von der Adam Smith einst sprach, gilt nach Maier nicht für die Finanzmärkte. Das wäre der größte Aberglaube, den uns einige Wenige weiß machen wollten. „Die Banken brauchen vielmehr eine sehr sichtbare Hand in der Form, dass Recht und Gesetz für sie gilt – und zwar bis ins Kleingedruckte.“

Michael Maier zeigt dem Leser in zahlreichen Faktenansammlungen die nackten Tatsachen auf und bietet dem Einzelnen nichts weiter als die Wahrheit. Diese Wahrheit ist zwar auf der einen Seite erschreckend, lässt, wenn sie jedoch von immer mehr Menschen geglaubt wird, auch eine große Chance auf eine Neuordnung. So konsequent Maier an einer „Haftungsgesellschaft“ festhält, lässt er es auch nicht an Hoffnung mangeln. So glaubt er fest daran, dass sich das Blatt noch wenden kann und gibt eine alte Formel des Physikers Carl Friedrich von Weizsäcker wieder: „wenn wir ‚n‘- Menschen haben, dann genügt es, dass ‚Wurzel n‘-Menschen das Richtige wollen“ […] „Und wenn sie eine Nation haben von 64 Millionen Menschen, wie in der Bundesrepublik, dann sind es 8.000 Menschen, die bestimmen. Wenn sie nun 4,9 Milliarden Menschen haben, das sind 49 mal 10 hoch 8, dann ziehen sie die Wurzel, das sind 7 mal 10 hoch 4, das sind 70.000 Menschen. Wenn sie die richtigen 70.000 Menschen auf der Welt überzeugen, was geschehen muss, dann wird es geschehen.“

Wer ein faktenreiches Buch in unkomplizierter Sprache und mit leichtverständlichen Beispielen zur Veranschaulichung besitzen möchte, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen. Das Buch bietet fachliches Wissen in einer verständlichen Sprache. Ein Muss für den, der die wahnwitzigen Finanzmärkte des 21. Jahrhundert verstehen lernen will und dem alten deutschen Sprichwort folgt: Kenne deine Feinde!

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