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BAK Europa: Sächsisch-Böhmischer Kulturtag – Gemeinsam unterwegs rund um Bad Schandau

DRESDEN/PRAG. Nachdem im März dieses Jahres Mitglieder der JN-Sachsen im Rahmen des Sächsisch-Böhmischen Kulturtages die Gegend um das kleine Örtchen Tyssa (heute Tisá) im Sudetenland, etwa fünf Kilometer von Peterswald (heute Petrovice) am heutigen Grenzübergang Bahratal in der Böhmischen Schweiz erkundeten, war es nun an der Zeit für den Gegenbesuch. So fand sich am 25. August eine interessierte und motivierte Wandergruppe aus Deutschland und der Tschechischen Republik zusammen, um Natur und Geschichte rund um Bad-Schandau in der Sächsischen Schweiz zu erleben.

1445 erstmals als „Schandau“ urkundlich erwähnt, ist Bad Schandau heute ein bekannter Erholungs- und Kneippkurort am Rande des Nationalparks und gehört zu den ältesten Urlaubsorten in der Sächsischen Schweiz. Deutsche Siedler, welche in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts die Elbwiesen zwischen Rathmannsdorf und Postelwitz von der Feudalherrschaft Hohnstein erwarben, gründeten hier einen Handelsplatz. Dieser erhielt im Jahr 1467 den Status einer Stadt. Seit etwa 1800 Kurort und Sommerfrische, wurde Schandau 1920 der amtliche Titel „Bad“ verliehen und 1936 zum „Kneippkurort“ ernannt.

Gestartet am Nationalpark-Bahnhof ging es für die Teilnehmer von JN und der jungen böhmischen Gruppe Mladí nacionalisté (Junge Nationalisten) zur ersten Station des Ausfluges, dem 2001 eröffneten Nationalparkzentrum im Herzen von Bad Schandau. Hier informiert eine detailreiche interaktive, zweisprachige Ausstellung über Flora und Fauna, Entstehungsgeschichte, Entwicklung, Kultur und Menschen im und um die Nationalparkregion Sächsische Schweiz.

Weiter führte der Weg über den 1905 eingeweihten, 52,26 Meter hohen historischen Personenaufzug von Bad Schandau auf die Ostrauer Scheibe, eine Ebenheit um den Ortsteil Ostrau. In den Jahren 1989/1990 restauriert, steht der Aufzug seit 1954 unter Denkmalschutz. Von der Aussichtsplattform, welche man nach einem überwundenen Höhenunterschied von 47,76 Metern erreicht, bietet sich ein wunderbarer Blick auf die Stadt und das Elbtal. Über die mit der Felswand verbundenen, 27,80 Meter langen Brücke erreicht man das Luchsgehege.

Der Eurasische Luchs steht auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Sein Gewicht beträgt 15 bis 36 Kilogramm, die Widerristhöhe (der erhöhte Übergang vom Hals zum Rücken bei Vierbeinern) beträgt bis zu 70 Zentimetern. Damit ist der Eurasische Luchs der größte aller vier Luchsarten. Besonders charakteristisch sind seine dreieckigen Ohren mit schwarzem langen Pinsel. Das Vorkommen von Tieren im nördlichsten Teil von Böhmen wird durch viele historische Quellen belegt. Der letzte Luchs wurde im 18. Jahrhundert, am 3. April 1743, im Gebiet des Ziegengrundes, einem kleinen Seitental des Kirnitzschtales, erlegt. Erst zwischen 1928 und 1935 entdeckte man in der Böhmischen Schweiz wieder interessante Spuren. 1956 wurde der Luchs auch auf der sächsischen Seite, nordöstlich von Raitza (Rájec) bei Tyssa (Tisá) beobachtet. Ende 2010 und im Februar 2011 konnten erstmals bei Hinterhermsdorf in der Sächsischen Schweiz wieder Luchsspuren eindeutig dokumentiert werden. Bilder von Fotofallen waren der erste sichtbare Beweis dafür, dass der Luchs tatsächlich zurück gekehrt ist.

Vorbei am 1817 angelegten Lutherplatz führte der Weg wieder hinab zum Kurpark, von wo aus man mit der historischen Kirnitzschtalbahn den Lichtenhainer Wasserfall erreicht.

Die Kirnitzschtalbahn ist eine Überlandstraßenbahn, die erstmals an Pfingsten 1898 fuhr. Die eingleisige Strecke misst seit 1969 eine Länge von 7,9 Kilometern und ist damit der kleinste Straßenbahnbetrieb in Sachsen. Ursprünglich war die Strecke von Schandau nach Hinterdittersbach an der sächsisch-böhmischen Grenze geplant und zudem noch eine Weiterführung über die Rainwiese (Mezni Louka) und Herrnskretschen (Hřensko). Aus Kostengründen wurde letztendlich aber nur die Strecke bis zum Lichtenhainer Wasserfall gebaut. Die ersten Pläne zum Bau einer Pferdebahn durch das Kirnitzschtal kamen bereits 1870 auf. Man entschied sich aber für eine elektrische Straßenbahn. Ziel war es, den Fremdenverkehr zu fördern. Am 22. Dezember 1893 wurde die Strecke genehmigt, am 7. März 1894 stimmte der Schandauer Stadtrat zu. Aus Kostengründen war jedoch die Antriebsart ein großer Streitpunkt, bis man sich 1898 dann für den Elektroantrieb entschied. Am 10. Januar 1898 wurde mit dem Bau eines Kraftwerks begonnen. Nach der Eröffnung waren Entgleisungen und Schäden an Motoren ein Problem. Auch kriegsbedingt und aufgrund von einem Brand und Hochwasser wurde die Bahn für längere Zeit stillgelegt. In den Jahren 1986 bis 1990 wurden umfassende Ereuerungen an den Betriebsanlagen vorgenommen.

Nach halbstündiger Fahrt und einer anschließenden kurzen Rast am bereits 1852 bis 1853 errichteten Wirtshaus am Lichtenhainer Wasserfall, führte der Weg hinauf zum so genannten Kuhstall, nach dem Prebischtor das zweitgrößte Felsentor im Elbsanddsteingebirge und letzte Station des Ausfluges.

Südlich des Lichtenhainer Wasserfalls auf dem Neuen Wildenstein gelegen, ist der Bogen des Kuhstalles 11 Meter hoch, 17 Meter breit und 24 Meter tief. Ein Panoramablick bietet sich vom Aussichtspunkt direkt am Kuhstall, dessen Name auf den Dreißigjährigen Krieg zurückgeführt wird. Die Bevölkerung der nahe gelegenen Orte versteckte hier, im breiten Felsentor, ihr Vieh vor marodierenden schwedischen Soldaten. Etwa in der Mitte der Felsformation führt eine steile Treppe nach oben, die sogenannte Himmelsleiter, worüber man die Reste einer alten Burganlage oberhalb des Kuhstalles erreicht. Bereits im frühen 19. Jahrhundert entwickelte sich der Kuhstall zu einer der Hauptattraktionen in der Sächsischen Schweiz. So gibt es seit 1824 auch ein Berggasthaus neben dem Felsentor, das mehrmals umgebaut und erweitert wurde.

Schon August von Goethe, Sohn des berühmten Wolfgang von Goethe, besuchte den Felsen im Juni 1819 und berichtete: „Eine freundliche Bewirthung mit Bier, Erdbeeren, Limonade u. Rum machten diesen Punct auch zu einem Erholungsplatz für den hungrigen und ermüdeten Körper.“

BAK Europa

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