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BAK Europa: Todesschüsse am „Όχι“-Tag:
Wir trauern um Kostantinos Katsifas († 35)

ATHEN/TIRANA. Am Nachmittag des gestrigen Sonntag, den 28. Oktober, erschossen Angehörige der albanischen Spezialeinheit RENEA im Süden des Landes, dem so genannten nördlichen Epirus, ein Mitglied der dort lebenden griechischen Minderheit. Der Vorfall begann am Sonntagmorgen auf einem Friedhof für griechische Soldaten, die im griechisch-italienischen Krieg zwischen 1940 und 1941 gefallen waren.

Dort hatte Kostantinos Katsifas († 35) eine griechische Flagge mit der Aufschrift „Nord Epirus – griechischer Boden“ gehisst. Den Versuch albanischer Polizisten, die Flagge zu entfernen, soll das spätere Opfer versucht haben mit Warnschüssen in die Luft zu vereiteln. Im Dorf Bularat, 6 Kilometer von der griechisch-albanischen Grenze entfernt, wurde Kostantinos Katsifas durch Angehörige der zur Unterstützung gerufenen Spezialeinheit RENEA mit Schüssen in Kopf und Brust getötet.

Zuvor hatten Angehörige der griechischen Minderheit gegenüber Medien geäußert, sie seien besorgt über das Leben der jungen Mitglieder ihrer Gemeinschaft, aus Furcht, die albanischen Behörden könnten Kostantinos Katsifas als „Sündenbock“ nutzen. Albanische Medien sprechen von „einer griechischen Provokation durch einen Extremisten“ und behaupteten, dass Konstantinos Katsifas in Sozialen Medien „den Aufstand der griechischen Minderheit im sogenannten nördlichen Epirus“ forderte. Die ethnischen Spannungen in der Region sind trotz der Verbesserung der griechisch-albanischen Beziehungen in den letzten Jahren hoch.

Der Tod von Kostantinos Katsifas lässt uns sprachlos zurück. Verkörpert er doch auf tragische Weise die bis heute in den Völkern Europas schlummernden Konflikte, welche aus der willkürlichen Festlegung von Grenzen durch, oft von eigenen Interessen geleitete, fremde Mächte bis heute erwachsen können. Wenngleich der griechische „Όχι“-Tag[1] auf den ersten flüchtigen Blick unsere eigene Geschichte konterkarieren mag, so wissen wir doch, dass neue Annäherungen und Verbindungen nicht auf der Grundlage historischer Konflikte erwachsen können. Nur der Respekt gegenüber den Opfern unserer europäischen Brüder und Schwestern versetzt uns in die Lage, Recht und Gerechtigkeit auch für unsere eigenen Opfer einzufordern. Deshalb verneigen wir uns vor dem Opfer von Kostantinos Katsifas und sind in Gedanken nicht nur bei seinen Angehörigen, sondern darüber hinaus auch bei unseren griechischen Kameraden, Freunden und Partnerorganisationen.

BAK Europa

[1] Der 28. Oktober, der in Griechenland nach der Befreiung des Landes von der osmanischen Besatzung als zweitwichtigster nationaler Feiertag gilt und als so genannter „Όχι“-Tag begangen wird, geht auf das Jahr 1940 zurück. Am 28. Oktober 1940 überbrachte der italienische Botschafter Emanuelle Grazzi dem griechischen Präsidenten Ioannis Metaxas ein Ultimatum, das ein Betreten griechischen Territoriums durch die Achsenmächte forderte. Die laut Grazzis Aufzeichenungen kurze Unterhaltung, in deren Folge Griechenland in den Weltkrieg eintrat, wird heute im Allgemeinen verkürzt mit „Nein“ (griechisch: „Όχι“, sprich: „Ochi“) wiedergegeben.

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