20 Jahre Mauerfall – Wie war das gleich?

02. November 2009

Für den hiesigen Landesverband steht der Herbst des Jahres ganz im Zeichen des 20. Jahrestages der friedlichen Revolution in der DDR – der ehemaligen Heimat unserer Eltern und vieler Verwandten und Bekannten. Um die damaligen Geschehnisse nicht allein durch unsere Demonstration am 07.11.2009 in Halle auszudrücken, beschäftigen sich die jeweiligen Stützpunkte bereits seit Wochen mit dem geschichtlich sehr interessanten Thema.

Grundlegender Bestandteil dabei war neben dem gemeinsamen Anschauen und Auswerten einer interessanten TV-Dokumentation und einem Freundschaftsbesuch der Landesverbände Niedersachsen und Sachsen-Anhalt am 03.Oktober an der ehemaligen Staatsgrenze, eine durch jedes Mitglied geleistete Recherchearbeit um die Ereignisse vor 20 Jahre in den Mittelpunkt unserer Stützpunktabende zu stellen.

Da viele Aktivisten die damaligen Geschehnisse vordergründig aus Altersgründen nicht unmittelbar erlebt haben, galt unser Interesse dem Zusammentragen von Erzählungen und Eindrücken die wir in unserem direkten Bekanntenkreis, bei unseren Eltern, Großeltern oder im Kollegenkreis hinterfragten.

Wichtig für uns zu erfahren waren vor allem die Ereignisse in den Städten und Orten unserer Heimat sowie persönliche Schicksale im Zeitraum der Leipziger Montagsdemos bis hin zur Öffnung der innerdeutschen Grenze bzw. der Abdankung des Regimes um Erich Honecker.

Aufschlussreich dabei war unter anderem, dass bei fast allen Befragten deutlich wurde, dass die Geschehnisse beispielsweise in Magdeburg oder Halle bei weitem nicht den Stellenwert der Vorgänge in Leipzig, Dresden oder Berlin hatten. Mit etwas Resignation mussten wir so feststellen, dass es uns unmöglich war Berichte von direkt Beteiligten der damaligen Widerstandshandlungen aus erster Hand zu bekommen.

Die  sonstigen Erinnerungen an die DDR schilderten unterdessen immer wieder ein totalitäres, völlig engstirniges, gut gesichertes System welches scheinbar in jeder Hinsicht den Bezug zu seinen Untergebenen verlor. Ein Regime, dass auch die letzte Möglichkeit seine greisen Postenträger über die Zeit zu retten durch die völlige Ablehnung von damals im gesamten Ostblock um sich greifenden seichten Reformen („Glasnost und Perestroika“) vermasselte. 

Und immer wieder hörten wir von den Missständen in der DDR. Von allezeit irgendwo auftretenden Engpässen in der Versorgung – das Fehlen an oftmals alltäglich benötigten Mitteln, die zwangsläufige Improvisation und das Zufriedensein mit dem Notwendigsten. Auch der völlig nachvollziehbare Hang nach dem kleinen Stück mehr Freiheit oder Mitspracherecht der seinen verzweifelten Ausdruck oft in den wohl zu Hauf existierenden Witzen über Honecker & Co.  fand wurde umschrieben.

Eingeprägt haben sich offenbar die Bilder der durch DDR Touristen besetzten Prager Botschaft, des Grenzübertrittes vieler ausreisegewillter Ungarn-Urlauber im Sommer 1989 oder der Öffnung der Berliner Sektorengrenze. Niemand wollte es wahr haben, doch die Westmedien waren im unruhigen Sommer 1989 nahezu in jedem Wohnzimmer der Deutschen Demokratischen Republik präsent und rüttelten kräftig mit an den Stühlen der Herrschenden.

Und so ging das Leben weiter in diesen Tagen und Wochen – für Etliche in gewohnter Bahn. Doch ahnten Viele instinktiv, dass dort irgendwo in vielleicht nicht allzu weiter Ferne ein gewaltiger Fels langsam ins Wanken geriet – auch wenn man nur des Nachtens aufwachte und über die Bilder im TV nachdachte, über die Erzählungen der Kollegen schwadronierte oder an die Zukunft seiner Kinder dachte.

Was im Herbst 1989 und den folgenden Wochen und Monaten passierte, war dann für viele der von uns Befragten weit mehr als sie je zu träumen gewagt hatten. Da wankte kein Felsen mehr, da brach ein komplettes und scheinbar so unendlich überlegenes Imperium zusammen. Und mit ihm standen 16 Millionen Menschen vor plötzlich aufgestoßenen Toren, vor zusammenbrechenden Welten, vor traumatischen Veränderungen…

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