Es fahren rauhe Gesellen

12. August 2011

JN auf großer Fahrt. Eine Woche durchquerten 36 Aktivisten auf einem Dreimaster die OstseeMit den JN-Piraten auf Störtebekers Spuren – ein Erlebnisbericht

Die Nacht ist kurz. Um drei Uhr morgens klingelt mein Wecker. Für einen kurzen Moment habe ich einfach nur das Bedürfnis, selbigen gegen die Wand zu klatschen. Doch dann fällt es mir wieder ein: Heute ist es endlich soweit! Der große JN-Segeltörn durch die Ostsee steht an – und ich werde dabei sein. Gleich geht es los! Deswegen nichts wie raus aus den Federn, kurz frisch gemacht und in die Klamotten gestiegen. Schließlich wartet vorher noch eine knapp neunstündige Autofahrt auf mich…

Ich schaffe es pünktlich zum vereinbarten Treffpunkt. Zu viert machen wir uns in der Dunkelheit auf in Richtung Kiel. Trotz der morgendlichen Frühe gestaltet sich die Fahrt sehr unterhaltsam und angenehm. Alle sind gespannt auf das, was uns im hohen Norden unseres Landes die nächsten Tage erwarten wird.

Viele Stunden später stehen wir mit 32 anderen JN-Aktivisten aus ganz Deutschland im Kieler Hafenbecken. Im Hintergrund schaukelt „unser“ Schiff am Dock, während wir von unserer Fahrtenleitung noch einige letzte Anweisungen erhalten. Dann geht es endlich an Deck, wo uns der holländische Kapitän und seine gutgelaunte Mannschaft schon erwartet haben. Unser Schiff ist ein Dreimaster, Baujahr 1917, einstmals als Fischereischiff gefertigt und nun auf den Weiten der Nord- und Ostsee in touristischer Mission unterwegs. Von morgen früh bis Freitagnachmittag wird es fest in unserer Hand sein. Unter Anleitung der Schiffsbesatzung werden wir für das Segelsetzen ebenso verantwortlich sein, wie für das Steuern und damit für die Einhaltung des richtigen Kurses.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde an Bord geht es auch schon in die Kojen. Schließlich wollen wir gleich morgen früh in Richtung Dänemark aufbrechen.

Um Punkt Sieben geht es los: Fanfarenklänge kündigen den neuen Morgen an. Schnell raus zum Frühsport, Frühstück einnehmen und Abfahrbereitschaft herstellen. Nun heißt es also tatsächlich „Leinen los!“ und unser Schiff bewegt sich, angetrieben von einem 400 PS starken Bordmotor, hinaus aus dem Hafen ins offene Meer. Unterwegs kreuzt ein U-Boot unseren Weg und kurz darauf fahren wir an dem beeindruckenden Marine-Ehrenmal in Laboe vorbei.

Doch nun wird es ernst: Der Kapitän gibt das Kommando zum Segel setzen. Schließlich haben wir nicht vor, die anvisierte Wegstrecke mit Motorkraft zurückzulegen. Nun sind alle Aktivisten gefordert. Nur mit vereinten Kräften kann es uns gelingen, unser Schiff mit Hilfe der Segel auf Fahrt und richtig in den Wind zu bringen. Auf Zuruf des Steuermanns wird an den zahllosen Seilen gezogen, nachgelassen, gebrasst und gehalten – und jede Menge geschwitzt und geschnauft. Minuten später und um einige Blasen an den Händen reicher ist es schließlich vollbracht: Majestätisch gleitet das Schiff, angetrieben durch den Wind, der sich in den eben gesetzten Segeln verfängt, durch die sanften Wogen der Ostsee in Richtung Dänemark. Der sonore Klang des Bordmotors ist verstummt. Nur der Wind und die Wellen sind noch zu hören. Ein Hauch von Idylle…

Dieses Schauspiel wiederholt sich in den nächsten Tagen ständig. Denn mehr als einmal kommt es vor, dass der Wind dreht und wir deswegen die Segel entsprechend umsetzen müssen. Mannschaftsgeist und Koordination sind hier gefragt. Nur als funktionierendes Kollektiv ist diese Herausforderung zu meistern. Dass wir das ganz gut hinbekommen, davon zeugen die lobenden und motivierenden Worte der Schiffsbesatzung. Die ist ohnehin immer für jeden Spaß zu haben. Mit diesen drei waschechten Seebären hätten wir es wahrlich nicht besser erwischen können.

Die Tage auf See vergehen wie im Flug. Unterwegs genieße ich die rauhe und gesunde Seeluft, bestaune die riesigen Container- und Passagierschiffe, die unseren Weg kreuzen oder lasse mir einfach nur die Sonne auf den Pelz scheinen. Selbstverständlich klettere ich auch auf das Netz an der Bugspitze des Schiffes und erklimme die Takelage, um von der Plattform am Mast eine noch bessere Sicht auf das Geschehen in der von uns durchpflügten Ostsee zu haben. So wird es nie langweilig. Schulungen und politische Diskussionen an Bord tun ihr Übriges. Wir lernen, wie man mit Karte und Kompass navigiert, wie man sich per Morsezeichen verständigt und wir üben diverse Knoten zu binden. Wir unterhalten uns über Visionen und Ziele unserer Bewegung, über die tägliche Praxis im politischen Kampf, über Jugendarbeit vor Ort und über vieles mehr. Wir singen gemeinsam alte Seemannslieder, gehen mitten in der Ostsee vor Anker um ein spontanes Bad zu nehmen und küren einen Aktivisten vom Bodensee zum „Arschbombenkönig 2011“.

Jeden Abend legen wir in einem anderen Hafen an und gehen an Land. Langeland in der dänischen Südsee ist unser erstes Ziel. Von dort aus geht es tags darauf weiter nach Lolland, die viertgrößte Insel Dänemarks, bevor wir am nächsten Morgen wieder Richtung Mecklenburg segeln. Die Abende verbringen wir am Strand, singen und lachen, genießen die malerischen Sonnenuntergänge und sitzen danach am wärmenden Lagerfeuer. Auch die sportlichen Aktivitäten kommen nicht zu kurz: An einem seit Jahren stillgelegten Hafen nahe Wismar legen wir ein paar Einheiten Boxtraining ein, gehen schwimmen und spielen Volleyball. Als wir am darauffolgenden Abend das Ostseebad Rerik ansteuern, erfahren wir unterwegs, dass das dortige Dock nicht für unser Schiff geeignet ist: Die Wassertiefe am Dock in Rerik beträgt nur etwa anderthalb Meter. Unser Schiff hat aber gute drei Meter Tiefgang. „Da kommen wir nicht durch – auch nicht mit Vollgas“, so der trockene Kommentar unseres Kapitäns.

Ein echter JN-Pirat lässt sich von solchen Lapalien aber nicht beeindrucken. Kurz entschlossen fällt die Entscheidung, knappe 400 Meter vor der Küste vor Anker zu gehen und den Rest der Strecke bis zum Strand zu schwimmen. Eine steife Brise weht derweil über das Deck. Dennoch wagen sich alle Aktivisten tollkühn ins kalte Nass und tatsächlich schaffen es auch alle bis hinüber zum Strand – unter den verblüfften Augen der zahlreichen Urlauber, die beeindruckt vom Land aus das Spektakel verfolgen.

Ich kann es kaum glauben: Heute ist tatsächlich schon unser letzter Abend auf See. Morgen um diese Zeit werden wir schon wieder auf dem Weg nach Hause sein. Da darf man heute ruhig etwas ausgiebiger feiern als sonst. Volkstanz, bunter Abend, Laientheater und Seemannslieder – bis tief in die Nacht wird gesungen, gelacht und gescherzt. Dann jedoch, weit nach Mitternacht, heißt es ein letztes Mal „Gute Nacht, Kameraden!“ Zwar fällt morgen der Frühsport aus. Trotzdem wollen wir natürlich auch am letzten Tag unserer Reise fit und ausgeschlafen sein.

Zum letzten Mal werden am darauffolgenden Vormittag die Segel gesetzt. Außerdem ist heute Deckschrubben und Stubenputzen angesagt, bevor es am Nachmittag in Rostock gilt, Abschied zu nehmen. Abschied vom Schiff samt Besatzung, die mir die letzten Tage beide sehr ans Herz gewachsen sind. Abschied von der Ostsee und Abschied von all den anderen Kameraden, die sich nun wieder in alle Himmelsrichtungen auf den Nachhauseweg begeben. Reicher jedoch um eine unvergessliche Erfahrung – und im Gepäck den Gedanken an fünf wundervolle und ereignisreche Tage im Kreise einer Gemeinschaft, die auch abseits der See im täglichen Leben immer „hart am Wind“ segelt.

Autor: Fritz Kempf

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