Nordafrika und die Erfindung der Weltinnenpolitik

24. August 2011

Ein Kommentar zu den gegenwärtigen Ereignissen in Libyen

Bevor wir gleich tiefer in die Thematik einsteigen, möchte ich kurz noch eines voranstellen: Gaddafi war und ist kein Revolutionär. Er ist auch kein Vordenker eines “islamischen Sozialismus”, auch wenn er versucht hat diesen Eindruck mit seinem “grünen Buch” zu erwecken. Gaddafis Weltanschauung war und ist relativ einfach – um nicht zu sagen naiv. Gaddafi hatte einen beduinischen Mythos erschaffen und diesen als politische Leitlinie verkauft – die (sehr wohl nützlichen) Infrastrukturmaßnahmen im Bereich Petrochemie und Landwirtschaft waren aber immer Produkte europäischer Firmen, nicht das Resultat eigener Anstrengungen. Gaddafi hat sein Land direkt in die Fänge der Ostküste gesteuert. Der Grund dafür ist einfach: Im Gegensatz zu vergleichbaren islamischen Staaten, wie etwa dem Iran, konnte unter der Herrschaft Gaddafis in Libyen niemals eine eigene Industrie entstehen. Man exportierte Öl und erwarb dafür deutsche und europäische Technik – eine eigene Entwicklung jedoch gab es nie.

Gaddafi hatte immer nur einen einzigen Trumpf: fossile Energie. Er konnte sich ganz einfach nicht vorstellen, dass der Westen möglicherweise Teile der „Stammesgemeinschaft“ gegen ihn in Stellung bringen würde (seiner Enttäuschung verleiht er nun durch Beschimpfungen der „Rebellen“ Ausdruck).  Was indes gerade in Nordafrika stattfindet, ist keine „arabische Revolution“ – ganz sicher nicht. Es ist die Abwicklung der islamischen Welt, so wie wir sie bisher kennengelernt haben. Der Islam ist rückständig, gar keine Frage, und abgesehen vom Ausnahmefall Iran hat der Islam (speziell der semitisch-arabische Islam) politisch kaum eine Perspektive.

Gaddafi wurde ganz einfach abgewickelt – er drohte der EU mit der massenhaften Zuwanderung aus Schwarzafrika , er wähnte sich in energiepolitischen Fragen in einer guten Verhandlungsposition – und übersah die Möglichkeiten der westlichen Militärtechnik (ob der Waffengang der NATO legal ist steht auf einem anderen Blatt). Gaddafi war und ist größenwahnsinnig. Selbstverständlich interessieren sich die Franzosen sehr für die gewaltigen Ölvorkommen nur wenige Kilometer vor Marseille. Entsprechend wäre Gaddafi gut beraten gewesen, sich rechtzeitig neue Verbündete zu suchen – 1990 wäre der richtige Zeitpunkt gewesen. Dies hat er versäumt. Nun steht er ohne Beistand der sogenannten BRIC-Staaten alleine da. Seine arabischen Landsleute – „Rebellen“, wie die Systempresse glauben zu machen versucht – von NSA, CIA und MI5 / Mossad gekauft und ausgebildet, mischen den Angeber in der Phantasieuniform kräftig auf. China hält sich zurück und die Russen kommentieren das Geschehen hin und wieder im Netz – mehr nicht.

Es hätte ganz anders kommen können: Ein intelligenter Wüstenfuchs, der in die Ausbildung seiner Leute investiert, die Reichtümer des Landes gerecht verteilt (Gaddafi hat wie alle Autokraten an seinen Clan gedacht – aber nie an die Volksgemeinschaft), ein Anführer, der diesen Namen auch verdient und sich rechtzeitig geeignete Verbündete sucht . China hätte er ins Boot holen können – dafür war er zu eitel oder eben nicht weitsichtig genug. Hätte die NATO ein mit China verbündetes Libyen jemals angegriffen? Vermutlich nicht.

Gewiss: Gadaffi konnte sich bei den Schwarzafrikanern immer als emanzipatorische Kraft profilieren – einbinden in eine emanzipatorische Politik konnte er die völlig korrupten und unfähigen, inzwischen gescheiterten afrikanischen Staaten allerdings nie.

Man mag sagen: „Immerhin hat er seine Leute mit Trinkwasser und Wohnungen versorgt“. Stimmt. Er hat ein paar Petrodollars in den Konsum investiert. Dennoch – es bleibt dabei – die arabische Welt hat ihre Chance gehabt und sie verspielt. Ein anderer Gaddafi, eingebunden in eine intelligente Bündnispolitik, hätte sein Öl zu besten Preisen an den Westen verkauft , Russen und Chinesen in Libyen stationiert; Kredite an entwicklungsfähige, von China organisierte Länder in Schwarzafrika vergeben und der Weltbank Konkurrenz gemacht. Die Chance dazu hatte er – er hat sie nicht genutzt. .

Es reicht nicht aus, wenn man sagt: „Dahinter steckt eh die Ostküste!“  -geschenkt. Man muss in diesen Tagen auch erkennen: Die Möglichkeiten einiger Völker sind ausgereizt. Die Araber gehen sehr schweren Zeiten entgegen und dass nach dem Niedergang der Araber in Nordafrika die Saudis demnächst abgewickelt werden ist mehr als wahrscheinlich.

Was jetzt folgt, liegt auf der Hand: Libyen wird unter angelsächsischer Leitung „entwickelt“. Ein neuer Autokrat (oder eine neue Seilschaft) spielt „Demokratie“. Die kommenden Jahre werden wahrscheinlich chaotisch – lediglich die für den Westen relevanten Küstenregionen wird man einigermaßen ausbauen.

Interessant wird die Geschichte, wenn es im Nahen Osten zu einem Großkonflikt unter Beteiligung des Iran und der Israelis kommen sollte. Dann könnten die Saudis unter Umständen für längere Zeit als Ölexporteure für Japan und die USA ausfallen. Das wäre sicherlich sehr ärgerlich. Aber bis dieser Fall eintritt, hat sich das System das libysche Öl bereits gesichert.

Berücksichtigt man die energiepolitischen Interessen und Optionen der Chinesen, wird schnell klar: Es geht um einen „Plan B“ für den Fall, dass der Nahe Osten brennt – sowohl für Japan ein echtes Problem, bedingt auch für die USA – aber ganz gewiss ein energiepolitischer SuperGAU für China.

Mein Wunsch an dieser Stelle: Glaubt nicht den Informationsmüll, den das System verbreitet. Informiert Euch und entwickelt eine eigene Deutung der Zusammenhänge. Die neue, von der NATO gewollte Weltinnenpolitik kann nur noch von China ausgebremst werden. Dank der Fehlleistung eines Gaddafi ist der Islam (abgesehen von Persien) politisch zumindest vorerst mausetot.

 

Autor: Lars Petersen

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