„Stolz war für mich nie eine Frage meiner Umgebung“

11. März 2011

“Hier & jetzt” im Gespräch mit dem Musiker und Produzenten Sacha Korn.

Sacha Korn wurde 1975 in Potsdam geboren und wuchs im Osten Berlins auf. Mit seiner Band „Korn & Flakes“ unterstützte Korn in den neunziger Jahren Bands wie Subway to Sally, Whitesnake und Rammstein. Ende der neunziger Jahre öffnete sich Korn – beeinflußt durch die Techno-Szene – stärker elektronischen Einflüssen und lebte für einige Zeit in Los Angeles. Ab dem Jahr 2000 orientierte sich Korn stärker nach Osteuropa, gab Konzerte in Rußland, Polen, Tschechien und Lettland und arbeitete als Berater für Terence Trent Darby. In der Folgezeit lebte Korn für einige Zeit in der polnischen Arbeiterstadt Lodz, im Jahr2007 folgten unter anderem Konzerte in China und den USA. Mit „Nokout“ erschien im Jahr 2009 Korns erstes Album in Deutschland, mit dem Korn Platz 3 der deutschen „Alternative Charts“ erreichte. Im April 2011 erscheint Sacha Korn neue EP „Devationist“, Ende des Jahres ein neues Album.

Die „hier & jetzt“ unterhielt sich mit dem Musiker über seine musikalischen und biographischen Prägungen, sein Faible für Osteuropa und über die Schwierigkeit, als Patriot im Musikgeschäft zu überleben.

Mehr Informationen über Sacha Korn findet man auf seiner Netzseite www.sachakorn.de, mehr Information über sein Musiklabel „East International Music“ findet man unter www.east-international-music.com. (Red.)

 

Hallo Sacha, im Dezember 2009 ist Dein Album Nokout bis auf Platz 3 der deutschen „Alternative Charts“ gestiegen, musikalisch kann man Dein Projekt irgendwo zwischen Elektro Pop und der Neuen Deutschen Härte, mit der vor zehn Jahren Künstler und wie Rammstein, Witt und Weissglut auf sich aufmerksam machten, einordnen. Wie würdest Du Deine Musik selbst charakterisieren und welche musikalischen Einflüsse haben Dich geprägt?

Als Gitarrist wollte ich gitarrenlastige Musik machen, diese aber mit modern klingenden Atmosphären mischen, also durchaus Technoklänge oder industrielle Klangflächen und Geräusche auf elektronischer Basis einfließen lassen. Mich hat die Technoszene in Berlin, die in den Neunzigern die Welt eroberte, sehr beeinflusst. Das war mal wieder ein Stück nicht gekünstelte, rein deutsche Kunst, mit der ich mich sofort identifizieren wollte und auch konnte. So etwas gab es schon lange nicht mehr. Diese Musik ist einfach so in den Bunkern und Kellern entstanden und im wahrsten Sinne des Wortes raus in die Welt marschiert und nichts wurde in den Büros der Plattenfirmen entwickelt. Das wollte ich mit diesem Album unterstreichen. Pop, ja klar. Rammstein Lieder sind letztendlich auch Pop. Es ist einfach schön, wenn die Leute die Lieder mitsingen. Mozart oder Bach sind auch Pop. In den letzten zehn Jahren habe ich mit einigen Stars auch eng zusammen gearbeitet, beispielsweise mit Eminem und Terence Trent D`Arby, um nur ein paar zu nennen, die trendsetzend waren, aber auch mit einem großen US Manager wie Pete Bennett, der die Beatles, Elvis Presley oder die Stones gemanagt hat. Von diesen Menschen habe ich sehr viel gelernt, denn der kommerzielle Aspekt ist ein Teil meiner Arbeit. Und mal so ganz nebenbei: Diese Leute sind nicht vergleichbar mit dem meist unfähigen, angepassten Personal, was man hier vorfindet. Guter Pop aus Deutschland, der auch in den Massenmedien stattfindet, ist nur schwer zu finden. Das liegt an den Vorlagen der Industrie und den Medien, die nur einen sehr kleinen Teil dessen zulassen, was hier im Land an Musik entsteht. Das nennt man im übrigen Zensur.

Welche textlichen Inhalte prägen Deine Lieder? Zumindest die Stücke auf Nokout kommen eher etwas düster rüber…

Meine Texte beschäftigen sich ganz klar mit Emanzipation, Heimat, Identität, Sehnsucht, Wut und Gewalt. Die Zeiten sind düster.

Wie der Titel Deines letzten Albums Nokout schon andeutet, bist Du ein leidenschaftlicher Boxer. Auch wenn man sich Deine Liedtexte anhört, hat man den Eindruck, daß Kampf für Dich zum Leben dazugehört. Stimmt das?

Absolut. Ich habe immer versucht, meinen eigenen Weg zu gehen. Das ist unweigerlich mit Kampf verbunden. Es sind deshalb auch nicht nur musikalische Vorbilder, zu denen ich aufschaue oder auf die ich zurückblicke. Im Allgemeinen motivieren und inspirieren mich außergewöhnliche Leistungen, Biographien von Persönlichkeiten, die sich nicht davon abbringen lassen, das auszusprechen, was vielleicht viele denken, sich aber kaum jemand traut, laut zu sagen. Menschen, die auf verlorenem Posten stehen und dann doch Erfolg haben, weil sie kämpfen, auch wenn es verloren scheint. Im Boxsport gibt es da das Beispiel Manfred Wolke. Er ist ein großes Vorbild für mich. Er hat sich nach der Wende unter dem Gelächter der Profis aus der BRD und seiner alten „Kollegen“ aus den Armeesportvereinen der ehemaligen DDR in seiner Garage ein Trainingslager auf engstem Raum geschaffen, um die Weltspitze anzugreifen, und er hat es geschafft. Damit hat er in unserer Zeit Geschichte geschrieben und eine großartige Leistung erbracht. Das müßte man in der Schule lernen und nicht die Geschichte der Anne Frank zum zig tausendsten Mal dramatisieren. Schauen wir uns die aktuell erfolgreichen Boxtrainer an: Szdunek, Wegner, Wolke… Spricht für sich. Klar, die Boxer kommen aus Rußland oder sonst woher, weil man Härte und Disziplin in Deutschland lange Zeit nicht mehr als Tugend ansah. Aber wir sind nun mal preußisch geprägt und es ist uns ein inneres Verlangen. Alles andere widerstrebt uns eigentlich.

Der nächste Max Schmeling sitzt vielleicht gerade irgendwo in der Schule und hat keine Lust mehr, sich anhören zu müssen, daß Kämpfen nur was für Verlierer ist und Anpassung Karriere und gesellschaftliche Akzeptanz bedeutet, und daß die preußischen Werte nichts wert sind.

Arbeitest Du momentan an einem neuen Album, und, wenn ja, in welche musikalische Richtung soll dieses Album gehen? Gibst Du mit Deiner Band auch Konzerte?

Die Demoaufnahmen für das neue Album sind abgeschlossen. Es wird eine Vorab-EP geben und ein Album im Herbst. Es wird härter, weniger elektronisch. Im Moment habe ich auch sehr gute Musiker, mit denen das Einspielen sehr viel Spaß macht und ich möchte, daß man dieses Zusammenspiel hört und fühlt, deshalb gibt es weniger Elektronik. Ich hatte ja schon immer einen gehörigen Teil NDH (Neue Deutsche Härte) in meinen Produktionen. Aber dieses Album wird wohl sehr eindeutig diesem Genre zuzuordnen sein.

Es wird Konzerte geben, auch in Deutschland. Laßt Euch überraschen!

Wie Du schon andeutest, wirst Du noch in diesem Jahr eine neue EP veröffentlichen, die unter dem Titel DEVIATIONIST noch im April 2011 dieses Jahres erscheinen wird. Die Texte auf dieser EP sind patriotisch, unter anderem enthält sie auch das Lied „Vertrieben“. Beziehst Du Dich damit auch auf die Vertreibung der Deutschen? Hat Deine Familie selbst ostdeutsche Wurzeln?

Ja, natürlich. Das Thema wird hierzulande leider tot geschwiegen. Wenn ich die Landstraße von Kolberg nach Danzig fahre, sehe ich die Alleen, die ich aus Brandenburg kenne. Solche Eindrücke bewirken, daß man sich mit diesem Thema intensiver auseinandersetzt – so ähnlich muß es bei einer Mutter sein, die ihr Kind wiedererkennt, das man ihr vor Jahren mal weggenommen hat – sie erkennt sich eben selbst darin wieder. Dieses ganze Gequatsche von einer grenzenlosen Welt, in der man heute überall leben kann, kann ich nicht mehr hören. Jeder Mensch hat seine Heimat, die er auch braucht. Und wenn sie ihm genommen wird, hat er ein Recht darauf, dagegen zu protestieren.

Wenn man mir dann noch erklären will, wie schön die polnischen Städte sind und dann Danzig, Stettin und Breslau aufzählt, kann ich meinen Mund einfach nicht mehr halten.
Meine Familie stammt aus der Berliner Gegend und wurde Gott sei Dank nicht vertrieben. Ich erinnere mich aber an die älteren Leute bei uns im Ort und an deren Akzente, die sich von unserem Berliner Akzent sehr unterschieden. Deutschland hatte 15 Millionen Vertriebene aufgenommen. Das muss man sich mal vorstellen! 15 Millionen und keiner redet darüber…

Ostpreußisch. Schlesisch, diese Akzente werden mit der Erlebnisgeneration leider aussterben. Dann kommt hinzu, daß man schon schief angesehen wird, wenn man das ausspricht. Den Vertriebenen geht es mittlerweile ja nur noch darum, daß man ihr Leid auch mal anerkennt und nicht immer nur Schweigeminuten für die „guten“ Opfer einlegt.

Für mich ist das Thema brandaktuell. Als 1990 die Bundesregierung die DDR annektierte, mußten Tausende ihre Häuser und Grundstücke in Mitteldeutschland verlassen. Wenn sie sich dann aber darüber beschwerten und fragten, was mit ihren Besitztümern in den noch besetzten Gebieten ist, wurden sie als „Nazis“ oder „Ewiggestrige“ beschimpft. Man kann doch auf der einen Seite nicht auf Recht und Rechtsstaatlichkeit pochen und auf der anderen Seite die Vertreibung unter den Tisch kehren – das ist in meinen Augen die wohl größte Schande nach der so genannten Wiedervereinigung und für mich ein Anlaß zum intensiven Hinterfragen der Geschichte, wie sie uns offiziell vorgegaukelt wird.

In der Biographie auf Deiner Netzseite bezeichnest Du Osteuropa als Deine „Wahlheimat“. Du hast viele Konzerte in Osteuropa gegeben – beispielsweise in Moskau, in Lettland oder in Königsberg, hast längere Zeit in Lodz gearbeitet und bist überzeugter Berliner. Wie hat Dich der große Umbruch, in dem sich Osteuropa nach dem Ende der sowjetischen Herrschaft befindet, geprägt? Gibt es so was wie den „Wilden Osten“ tatsächlich, gibt es tatsächlich mehr künstlerische Freiräume in Osteuropa?

Osteuropa ist ein sehr hartes Pflaster, allerdings auch sehr ehrlich. Und ich muß sagen, ich habe diese Ehrlichkeit allem anderen vorgezogen. Deutschland ist mir sehr fremd, ich ertrage das hier nur begrenzt. Vielleicht muß ich das nicht extra betonen, aber die Deutschen haben es beispielsweise in Polen nicht ganz so einfach. Wenn sie sich nicht unterkriegen lassen wollen, geschieht allerdings etwas sehr unerwartetes: Man erhält Respekt! Wenn man in einer Arbeiterstadt wie Lodz in ein Fitneßcenter oder zum Boxen geht und Deutscher ist, lernt man fürs Leben. Ich habe dort viel gelernt und dann auch gern dort gelebt. Polen hat natürlich eine sehr schwierige Geschichte. Die kulturellen Errungenschaften ihrer Städte, die sie gern zur Schau tragen, sind nun mal unbestritten nicht auf ihrem „Mist“ gewachsen. Das muß sich ungefähr so anfühlen wie ein gekaufter Doktortitel. Rußland dagegen ist ganz anders, dieses Land hat kein Egoproblem und ich muß sagen, ich hatte nie Probleme mit den Russen. Selbst, wenn es mal nach einem Konzert zu einer physischen Auseinandersetzung kam, lud man mich hinterher zu Bier und Wodka ein. Immerhin war ich immer in der Unterzahl und stand trotzdem zu meiner Meinung. Das wurde hoch angesehen. Ja, ich lebte und bin dort immer noch gern und fühle mich wohler, als im Prenzlauer Berg. Dort wohnte ich für drei Jahre, aber zum Schluß bin ich buchstäblich über Nacht abgehauen nach Lodz, um wieder bei mir zu sein, mich wieder deutsch zu fühlen. Das muß man sich mal vorstellen, wie weit das schon gekommen ist. Wenn ich dann nach Berlin kam, dachte ich, ich wäre irgendwo in einem Zigeunerviertel oder im Orient.

Während der WM 2006 habe ich in Königsberg gespielt, genau an dem Tag, als Argentinien gegen uns verloren hat. Wir haben richtig gefeiert. Und klar, da gab es dann Streß, aber einige waren ganz eindeutig auf unserer Seite. Die Freiheit, die ich in Osteuropa genießen konnte, hatte ich hier nie. Und irgendwie hatten wir dort alle das gleiche Schicksal. Sowjetische Besatzung, eine schwachsinnige Politik und Wirtschaftpläne ohne Verstand, die alle Ostblockländer in den Ruin führte. Ich habe definitiv mehr Konzerte im Osten gespielt als in Deutschland. Und ich habe sie alle genossen. Jedes mal, wenn ich hier eine Tour vorbereiten wollte, hieß es „… machst Du Punk oder Metal?“

Ich saß hier immer zwischen den Stühlen. Das war zu viel Gekrampfe für mich!

Schon im Jahr 2005 hattest Du immer wieder Diskussionen mit Deinem Umfeld über einzelne Textpassagen Deiner Lieder wie „WARUM WERDE ICH VERBANNT/ WENN ICH SAGE/ ICH LIEBE MEIN LAND“. Gibt es Leute, die es schwer akzeptieren können, daß Du einerseits eine Zeit lang in Kalifornien gelebt hast, schon Konzerte in China, New York und Tokio gegeben hast und andererseits in Deinen Liedern immer wieder Nationalstolz durchblicken läßt?

Na klar! Das Schlimmste für mich ist immer, die Weltanschauung von denjenigen anhören zu müssen, die sich selbst die Welt nicht angeschaut haben. Die kommen Dir dann mit Erfahrungsberichten aus ihrem Luxusurlaub in der Toskana oder von ihrem Nobelitaliener und leiten daher die Großartigkeit der interkulturellen Errungenschaften ab. Ich bin in jedem Land der Welt als stolzer Deutscher aufgetreten und habe immer die Texte meiner Lieder während meiner Konzerte übersetzt und den Leuten erzählt, daß diese Aussagen in Deutschland nicht geduldet werden. Die haben mit den Köpfen geschüttelt und gedacht, ich mache Witze! Sogar in China!

In China wurde ich daraufhin sogar auf eine der ersten Musikmessen für unabhängige Labels als Gastsprecher eingeladen und konnte dort für die europäischen Teilnehmer eine Rede halten. Ich habe ganz offen vor den Ergebnissen der Amerikanisierung und Globalisierung gewarnt. Nach 60 Jahren Besatzung und Umerziehung habe ich meine Erfahrungen und Erlebnisse geschildert und denen aus den Herzen gesprochen. Die Amis, die dort waren, haben gekotzt, und die Chinesen von den Unis haben ein Foto nach dem anderen mit mir gemacht.

Die Menschen auf der ganzen Welt haben dafür ein sehr offenes Ohr und hören mit Begeisterung zu. Nur hier in Deutschland ist man schön auf Linie getrimmt. Je höher man kommt, desto mehr lassen diese Gutmenschen ihre Masken runter und zeigen ihre häßlichen Fratzen.

Stolz war für mich nie eine Frage meiner Umgebung.

Wie ist das eigentlich so hinter der Fassade des Musikgeschäfts, das ja eher als links gilt? Wollen die meisten Leute in diesem Geschäft einfach nur Kosmopoliten sein oder gibt es dann doch noch einige Leute, die sich noch bewußt als deutsche Künstler sehen?

In der Branche sind wirtschaftliche Aspekte und das bewußte „Ausprobieren“ von neuen, ungekünstelten Trends eher zweitrangig bis nicht vorhanden. Eine wichtige Rolle beim Aussuchen eines „Produktes“ sind politische Korrektheit, Weichspülgarantie und ein multikultureller Hintergrund. Kunst unterliegt in Deutschland einer sehr harten Selektion oder, besser gesagt, Zensur – das ist fast schon vergleichbar mit der Kulturpolitik der DDR.

Wenn Du von den Künstlern sprichst, gibt es natürlich ein paar richtig gute Leute. Die meisten aber sind links, da hast Du vollkommen Recht, aber das sind eher Salonlinke, die die Taschen nicht voll genug bekommen. Wenn der Durchbruch für eine Band oder einen Künstler winkt, in Form eines Major-Angebotes, gilt es, sich anzupassen oder abzulehnen. Unsere Wurzeln sind deutsch. Läßt Du das in Deine Musik einfließen, bist Du sofort ein Nazi oder ein Proll, auf jeden Fall aber unten durch. Der Geschäftsführer der größten deutschen Plattenfirma, der Universal, ist stolz darauf, in der Wohnung einer bekannten früheren RAF-Terroristin zu wohnen. Das sagt doch eine Menge aus. Meine Lieder, wie beispielsweise NIE WIEDER, haben genau diese 68er, ihre verlogene Moral und ihren Nationalmasochismus kritisiert. Es gibt keine Chance, daß Du so etwas mit einer großen Plattenfirma veröffentlichen kannst, denn alles was mit dem Thema der Nation zusammenhängt ist für die zu brisant.

Wir haben in der Branche aber auch ein paar echte Macher, die ihre Gesichter nicht ständig in irgendein Mikrofon oder eine Kamera hängen, wenn sie mal etwas Gutes tun und die deshalb in der Öffentlichkeit nicht allzu bekannt sind. Das Gros ist jedoch sehr provinziell, und bezeichnet sich dennoch gleichwohl als intellektuell. Intellektualität beruht aber eigentlich auf künstlerischen oder wissenschaftlichen Fähigkeiten, die diese Leute mitnichten haben. Weißt Du, wenn jemand wirklich überzeugter Kommunist ist, kann ich das verstehen. Viele Leute im Musikgeschäft sind aber opportunistisch, feige, hinterhältig und verschlagen und damit perfekt für dieses System.

Überleg doch mal, wie sich die Musiklandschaft allein in den letzten zehn bis zwanzig Jahren geändert hat. Wenn man möchte, daß etwas richtig gegen den Baum läuft, stellt man einfach unqualifiziertes Personal ein. So, und jetzt stell Dir vor, daß dieses Personal noch über Jahresbudgets in Millionenhöhe verfügt. Das Gute daran ist, daß jeder einzelne von denen jeden Tag einen dicken Sargnagel in dieses Musikgeschäft schlägt. Vor zehn Jahren mußte man für eine goldene Platte in Deutschland noch eine Million Tonträger absetzen, Jetzt vergolden die ihren Systemlingen schon bei einem Absatz von150 000 die Platten. Alles Selbstbetrug, und das liegt nur zu einem kleinen Teil an den illegalen Kopien, denn Künstler wie Kraftwerk, die Böhsen Onkelz, Rammstein oder Grönemeyer verkaufen immer noch Millionen. Komisch oder? Und der Untergrund wächst…

Wie würdest Du Dich selbst politisch einordnen?

Weltoffen, tolerant und stolz auf mein Land, unsere deutschen Werte, Errungenschaften und unsere Geschichte. Wir sind das Land der Denker und Dichter. Das dürfen wir uns nicht nehmen lassen! Die Kunst ist die Speerspitze der gesellschaftlichen Evolution. Diese versucht man hier zu brechen. Also, bin ich auch ein Widerstandskämpfer. Ich lasse mich nicht brechen. Ich bin ein Patriot!

Wie bewertest Du den Weg der Berliner Rapperin DeeEx, die mit patriotischen Texten in der Rap-Szene – also in einer Subkultur, die ja eigentlich nie als national galt – provoziert?

DeeEx finde ich gut! Rap hin oder her, diese Musikrichtung gehört mittlerweile auch zur Subkultur in Deutschland und sollte natürlich auch besetzt werden. Übrigens ein Paradebeispiel für die Unterhaltungsindustrie: Trotz ihrer Millionenbudgets schaffen sie es nicht, diesen uns eigentlich fremden Hip Hop so aufzudrücken, daß sich Millionen Tonträger verkaufen lassen. Und sie machen trotzdem weiter. Denn die Entscheidungen werden alle in NYC getroffen. Keine deutsche Band oder Künstler bekommt ein ausreichendes Budget, um bei einer so genannten Major-Show wie Wetten dass aufzutreten. Solche Auftritte sind vorbehaltlos für US – oder Britische Künstler reserviert – egal ob die Newcomer sind oder nicht. Deutsche Debütanten dürfen das nicht, nur die ganz etablierten wie Grönemeyer dürfen da hin. Das ist übrigens in Polen anders, da kommt man als Ausländer nicht so leicht rein. DeeEx hat dem Rap eine eigene Identität gegeben, das ist lange überfällig gewesen. Ich habe Onkelzfans gesehen, die zu Bushido-Konzerten gehen, weil er aggressive Texte macht, das geht gar nicht. DeeEx ist, so weit ich das beurteilen kann, kein lächerlicher US-Abklatsch, wie irgendwelche unterbelichteten Migranten, die in jeder Talentsendung Schlange stehen und nicht mal bis drei zählen können. Sie hat eine eigene Identität und sollte mehr Unterstützung bekommen – es kann doch nicht sein, daß die Frau sich allein durchschlagen muß.

Vielen Dank für das Interview, Sacha Korn!


Das Interview wurde von Arne Schimmer für die Zeitschrift “hier & jetzt” geführt.

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